Was aber mich betrifft, so werfe ich alle Bürden kurzerhand von mir und breche morgigen Tages auf heimwärts. Morgen, sagst Du, kommst Du zurück, den Zug weiß ich auch, da bin ich an der Bahn, und es ist herzzerreißend schön, wenn wir uns unter all den Menschen wieder sehn und nichts sagen können und nach Hause fahren und — und — — und — —

Weißt du nicht, daß ich ein Weib bin, sagt die gute Rosalinde im Shakespeare, und nur denken kann, wenn ich rede? — Na, glaubs schon nicht, Teuerster, ein bißchen kann ich schon, auch wenn ich nicht rede, aber nun nimmt es ein plötzliches Ende und — und —

Und ganz schön still bin ich wieder und rede nur noch unsre heilige Sprache, der Liebe einzige Sprache des Schweigens, dort, in meinem Zimmer, in meinem alten Leben, im alten Muschelbett der einst lieblosen Träume, — des Schweigens Sprache, einsilbig in immer dem selben Kuß!

Saint-Georges an Renate

Den Du erwartest, kommt nie zurück.

Es muß eine Wahrheit gesagt werden viel zu spät. Und darum ist die Schmach, sie nicht in Deine Augen sagen zu können, leicht genug zu tragen mit dem Ungeheuren.

Kommt nie zurück. — Denn —

Es sind am heutigen Tage drei Jahre und drei Tage her, als er Dich zum erstenmal sah; im ersten Augenblick das Schicksal wissend, das ihn mit Dir zusammenfügte; im nächsten auch schon das Zweite: daß Du die Magnetnadel seist, die niemand einstellt als die Kraft. Das Dritte ahnte er damals nicht.

Daß es drei Jahre dauern würde, drei niemals endende Jahre der unaufhörlichen Qual. Und daß, wenn diese drei Jahre dann ein Ende genommen haben würden, das Feuer sich selbst verzehrt haben sollte und nichts mehr sein.

Daß Du aber an ihrem Ende kommen würdest, ausgestoßen, aus einer ganz verschütteten Welt, in sein Haus, schon wissend — und doch es nicht begreifend —, daß niemand mehr war als Du und Er.