So viel vom Bogner. Ja, aber Benno, was muß ich da sehn? Du sitzt und liest und liest an einem Brief, und am Ende stellt sich heraus, daß Du ihn gar nicht gekriegt hast! Nein, ich werde mich hüten, ihn abzuschicken! Eine andre Form der schriftlichen Niederlegung meiner vor Gewohnheit ächzenden Seele wars, Benno, sonst nichts!

Aus den Papieren Georgs

(von Bogner)

„Georg,“ sagte Bogner fast traurig zu mir, „ich glaube, du hast einen großen Fehler. Du willst zuviel wissen.“

Wir hatten nämlich halbe und ganze Nächte alles Denkbare bis ins Undenkbare erörtert, und ich dachte, als er mir diesen besondren Fehler vorwarf, ich hätte das auch tun können. Ich sagte deshalb, bloß um etwas zu sagen: „Wie kommst du darauf?“ Aber diese Frage war ihm grade recht.

Nämlich in seinem Zimmer steht eine alte, hölzerne und geschnitzte Wiege, die Ulrika langsam mit den fertig werdenden Kleidungsstücken für ihr Kind anfüllt. Vor dieser Wiege saß ich eben, bewegte sie mit der Hand hin und her und fragte mich, warum das eigentlich angenehm für Kinder sei, gewiegt zu werden, da die selbe Bewegung doch für den größten Teil der erwachsenen Menschheit unerträglich sei, nämlich an Bord der Schiffe auf See.

„Nun möchtest du nämlich wissen,“ sagte Bogner freundlich, „warum die Wiege hin und her geht. — Und ich weiß es“, setzte er leise hinzu.

Als ich aber nun um die Erklärung bat, wehrte er ab. „Du willst zu viel wissen, Georg, und weißt du, was du tun wirst? Du zerstörst dir deinen Gott.“

„Weißt du denn, wer mein Gott ist?“

„Alles, was dir unbegreiflich ist. Alles Rätselhafte in dir ist Gott.“