Bogner war nicht mehr im Zimmer. Ich suchte ihn, da sah ich im Dunkel seinen Schatten auf dem Deich und stieg zu ihm hinauf. Er hatte seinen Stuhl hinausgetragen und saß dort, die Hände auf den Knien, unter sich den Nebeldunst, der Nacht zugewandt, wo sie nur dunkel war, denn hinter seinem Rücken stand der Mond. Da habe ich ihn gefragt: „Nun, Bogner, proklamierst du heut auch noch deine Vollkommenheit der Welt?“

Er wendet den Kopf zu mir, sieht mich an. Plötzlich überläufts ihn. Er wartet, bis er wieder ruhig ist, und er sagt: „Ja.“

„Bist du wahnsinnig?“ schrei ich ihn an. „Nachdem du dies gelitten hast? und sie?“

„Ja,“ sagt er nach einer Weile. „Auch daß ich leide, ist — gut.“

Da waren wir still. Später sagte er:

„Wenn ein Opfer gebracht wird — hier; und dort ist einer — der nimmt es an; dann ist alles erfüllt.“

Oh mir brannte das Herz! Bogner — ich weiß, welche Furcht vor dem Tod er erlitt. Nun hat er eingesehn, daß nicht er gefordert wurde, sondern sie. Und nun stirbt er mit ihr. Denn so stirbt der Mensch im Opfer, das er bringt. Vielleicht wäre er lieber gestorben, als so überleben zu müssen. Aber es ist Sinn in dem allen. Freilich muß man ein Kentaur sein, um ihn erleben zu können und doch zu verstehn.

Ich weiß nun nichts mehr und schließe den Brief.

Georg

Tot.