Nun kann ich nicht mehr. Ich bin leer, es drückt meine Wände ein. Ich bin so furchtbar müde, daß es keinen Schlaf mehr für mich giebt als einen, nach dem ich mich sehne wie ein Kind. Mitunter fühle ich meinen Körper schlummern, aber die Seele löst es nur in einen rauchenden Wirbel auf. Dann ist immer der gleiche Traum, daß ich Sindbad bin. Die Beine jenes bösen Geistes, den er auf seiner Insel schleppen mußte, liegen um meinen Hals geschlungen, sie würgen mich, und ich lauere darauf, daß der Alte einschläft und ich mich losmachen kann, und er belauert mich. Wenn ich dann erwache, so weiß ich, daß er nicht schläft, ehe ich selber schlafe.

Laß mich schlafen, Magda, tue das Eine mir nicht an und halte mich nicht für feige! Vielleicht könnte ich leben in einer Einsamkeit, unbeachtet, mit diesem und jenem Menschen, verantwortlich allein mir selber. Es ist aber all die Zeit während der letzten Jahre mein mehr oder minder bewußtes Streben gewesen, den Punkt zu erreichen — wo dann alles unter mir brach —, den Augenblick, wo ich an die Spitze eines Reiches trat. Dies habe ich gewollt und habe es erreicht, auf Kosten all dessen, was ich jetzt schleppe, und auf Kosten all Derer, die mit mir mein Leben ausmachten. Mein Recht auf sie verlor ich durch Schuld, aber es hieße sie selber ausblasen wie ein Licht, wollte ich heute verzichten und mich in mich selber zurückziehn. Entweder der Staat oder nichts. Zum Entweder jedoch gehört eine Verantwortung, die ich nicht auf mich nehmen kann. Tag für Tag wächst allein die alte Einsicht neu: Du kommst nicht hinein. Zu den handelnden Menschen, in ihre Gewohnheiten treten und selber doch frei sein vom Zwang des Gewohnten: dazu finde ich keine Möglichkeit, und ohne sie die Verantwortung einer solchen Stellung auf mich zu nehmen, das bringe ich nicht mehr fertig.

Um die Erde ist Nacht. Ich stand auf der Plattform im Frost und im Schwarzen, im uralten Donner der Freundin, der See, und ich sah im Nächtigen rote Punkte, die Lichter fahrender Schiffe, sah sie aufglühn und wieder erlöschen. Eine Flamme, die mir frei und golden schien, hat sich zum letzten glimmenden Punkt zusammengezogen. Möchte der Flügelschlag, der sie verlöscht, der des Gedankens sein, daß Du die geschwundene nur aus den Augen verlierst und nicht aus dem Herzen!

Noch ist eine Spur von Kraft in mir. Sie mag Tage reichen oder Wochen, ich verspreche Dir, daß kein Ende sein wird, ehe ich nicht den letzten Rest von mir verbraucht habe.

Dann glaube mir, daß ich erleichtert wurde, und traure mir nicht nach!

Lebe wohl!

Georg

Georg an Benno

Auf meiner Insel, am 24. I.

Mein Freund: