Und diese reine Seele blüht’ in mir!
Jedoch ich bin soviel nur wie der Wind,
Der streifend nur den Duft vermag zu fangen,
Und trägt ihn fort auf Stirn und Mund und Wangen,
Vor Schmerz vergehend, und vor Wonne blind.
am 2. April
Telemach, o Telemach, da hast du es wieder! Eine trübe Erkenntnis und obendrein in Versen! Die alte Empfindsamkeit und der alte Betrug! Weil die Erkenntnis reizlos ist, so werden reizvolle Bilder erfunden; weil sie bedrückend ist, so wird sie in leichte Gegenstände aufgelöst; weil sie trübe ist, so wird sie wenigstens mit einem schwermütigen Lächeln beflügelt, und weil sie wärmelos und nüchtern ist und wahr, so wird sie in schöne, warme Scheinkleider eingemummt. Lyrische Erschütterungen, lyrisches Dasein — wenn anders lyrisch heißt: einsame Hingabe an gegenwärtige Gluten —, lyrische Schwermut, — und sowas will — Monarch sein. Wie ich sie nun hasse, diese dastehenden Verse, diese sprachlosen Gemächte, die ein Unsagbares tönend machen sollten und es nur bereden. Das alte Lied, das alte Leid: Unruh, Ungenügsamkeit, Überdruß und Verdrießlichkeit, alles, was peinigt und reizt, kommt aus dem Ungelösten in uns, das zur Klarheit will. Was ist Sehnsucht? In dem hundert- und tausendfachen Hingerissensein und Zerstreutsein, alltäglich, allstündlich an die Dinge der Erde, ist sie Verlangen nach dem Einen, das not ist. Aus den tausend Möglichkeiten ist sie das Streben nach dem Einen, das notwendig sei; aus den tausend Empfindsamkeiten nach der einen Liebe. Aus der tausendfachen Verschwendung nach — nach? —
Dem Opfer.
Hoffnungslos. Wozu dies dem Telemach? Was er tun kann, ist seine Schuldigkeit, ist das Weitergehn auf dem Wege, auf den uns die Toten verhalfen. Ich kann in die Sonne starren, bis ich blind werde, und das dürfte der ganze Erfolg sein. Näher, o Sonne, zu dir! Hoffnungslos, ich habe meine Liebe in einer Insel eingesargt, als sie totgeboren hatte, das ists.
Erkenntnisse, Erkenntnisse! feil wie Brombeeren. Steine im Strom, über die sich von Ufer zu Ufer springen läßt, ein Haus baut sich nicht daraus. O weh mir, daß ich meinen Tod verschlief!