Es schien, er bereitete sich zum Gehen vor; er ließ die Hand sinken und zog den Mantelkragen zusammen. Renate erschauderte leise vor dem Augenblick, wo sie allein sein würde, und bat:

„Wenn du wieder gegangen sein wirst, Bruder, werde ich dann nicht alles vergessen haben?“

Er nickte lächelnd: „Alles.“

„So tröste mich für diesen Augenblick nur! Ich will wieder Geduld haben nachher, aber sage mir jetzt nur: wird es noch lange dauern?“

Der König schwieg eine Weile und prüfte sie mitleidvoll. Endlich sagte er langsam und wie mit einem Seufzer:

„Morgen und ewig.“

„Was willst du sagen?“

„Morgen schon wirst du nicht mehr warten, o Schwester, und ewig mußt du noch warten.“

„Wie soll ich verstehn?“

„Ich meine die Wandlung. Es zieht eine Wandlung durch die Welt von ewig zu ewig, und immer andre Wandlungen ziehen in ihr, die sich jeweils vollenden und in andere münden. Eine Wandlung ist die Erde. Eine Wandlung ist auf Erden der Mensch. Viele Wandlungen sind das Leben des Menschen. Aber fürchte nichts, Schwester, du wandelst dich nie!“