„Niemals?“
„Niemals, Schwester, du bist das Weib. Der sich wandelt allein, ist der Mann. Gebärende, immer gebierst du. Das ist deine Wandellosigkeit. Sein ist das Töten und der Wandel. Du die Geduld, er die Ungeduld. Du die Ruhe, er die Unrast. Du das Opfer, er das Schwert. Du Liebe, er Haß. Du Seele, er Geist. Du Dienerin, er Herrscher. Er erobert die Welt, du nützest sie. Unzählbar seine Wandlungen, unwandelbar du. Er sündhaft, du ohne Sünde. Er der Zwinger, du die Bezwungene. Kain gebarst du und Jesus, Mörder und Sühner, Teufel und Gott. Entarte, so neigst du noch immer zum Guten. Torheit deine Sünde, Eitelkeit, Oberflächlichkeit, Nichtigkeit, Vergessenheit der Seele, Tanz in das Tier, das nur tanzen mag und sich zur Schau stellen. Was liegt an denen? Ewig im Kern mußt du gut sein. Du mußt gebären.“
Renate zitterte in ahnungsvollem Schrecken, und sie flehte: „So sage mir eines noch, Bruder! Da wir so ungleich sind, Mann und Weib, schließen die Reihen sich nie?“
Der König lächelte: „Sie werden sich schließen.“
„Und ich, Bruder, hilf mir, ich, kann ich nichts tun?“
Der König lächelte mehr und heller, während er fragte: „Was denn möchtest du tun?“
„Kann ich mich nicht wandeln wie er?“
Immer stärker lächelte der König und sagte: „Nein.“
„Bruder, Bruder!“ flehte Renate, „ich sehe es dir an! an deinem Lächeln sehe ich, daß ich etwas tun kann, daß ich etwas tun muß! Sage es mir, ich lasse dich nicht!“
Sein Lächeln schwoll. „Ja, du mußt etwas tun. Was du immer getan hast, was all deine Schwestern taten, das mußt auch du tun!“