„Was denn, Bruder, ach was?“

„Du mußt helfen, daß er dem Ende der Wandlung näher kommt!“

„Wie denn, Bruder, ach wie?“

Sein Lächeln flammte ungeheuer auf und erlosch augenblicks mit dem letzten Worte:

„Ihn gebären!“

Es war dunkel. Renate fand sich auf einem Stuhl sitzend und vor sich den Tisch. Sie sah Lichtschein hinter einer Wand und sah, daß die Wand der Türflügel war, der ins Zimmer hineinstand vor ihr, und an dem vorüber der Lichtschein von nebenan ins Zimmer fiel und sie sah auch die Ritze erleuchtet zwischen Tür und Wand zwischen den Angeln. Ihr war sehr warm, aber ihre Müdigkeit so groß, daß sie die Augen kaum offen halten konnte, um ihren Weg zum Bett zu finden. Die Uhr war drei. Sie wußte nichts mehr. Sie entschlief.

Zweites Kapitel

Georg

Charfreitag, sagte Georg stumpf und verständnislos vor sich hin, als er des Morgens gebadet und angekleidet zum Fenster trat. Der Regen fiel lautlos und nebelhaft, er entdeckte mit einer bitteren Wehmut das Alte, unter sich den Hof zwischen den Schloßflügeln, die Terrasse mit plätschernden Stufen, den Rasen und die altersschwarzen Dächer und Ochsenaugen, naß und traurig vom Regen.

Das sieht traurig aus, murmelte er, weil ich traurig bin, und spürte in allen Gliedern die Zerschlagenheit von der schlaflosen Marter der Nacht. Sich wendend, gewahrte er die nächtlich beschriebenen Blätter noch offen daliegend, empfand Ekel und drehte sich weg. Da der Regen, dachte er ingrimmig, weder traurig noch heiter fällt, warum, o Himmel, warum muß das so sein und warum bin ich so eingerichtet, daß ich ihm Traurigkeit ansehe, weil mir elend zumute ist? Warum kann ich nicht sein wie der Regen?