Du fragst: Wer bist du? Frage, wer ich war!

Kaum weiß ich dies; verzaubert bin ich wohl,

Ein Roß, ein holdes Weib ...“

Renate überhörte den folgenden Schwall, nahm beim Nahen ihres Stichwortes den Mantel von der Achsel, schleuderte ihn über eine Schulter des Knieenden, indem sie dachte: Handeln ist besser als Reden! und herrschte ihn kühl an:

„Ich erkenne — Den Spruch des Schicksals an. Da ist mein Mantel. — Zeichen der Würde, weiter nichts. Ich selbst — Bleibe mein eigen, hörst du wohl —“ Sie endete, plötzlich selbst erregt: „Mein eigen!“

Das Übrige ging sie nichts mehr an, sie drehte sich um, sah Ulrika dastehn, trat zu ihr und sagte, den Arm um ihre Schulter legend, lächelnd: „Das Stück ist aus, — nun wollen wir zu Georges, der Bauer machte Augen wie ein Dorsch!“ worauf sie, zierlich und hochmütig angelehnt, wie es die Rolle wollte, mit ihr durch die Gasse ihres Hofstaats in den Wald hineinging.

„Verstehst du denn die Menschen?“ fragte sie, stehen bleibend, und drückte die Handflächen lachend gegen die Wangen. „Du weißt doch, was für einen Kampf es gegeben hat, bis die Schauspielerin zugab, daß ich ihr diese paar Worte raubte, weil Georg darauf brannte, mich den Ritt aufführen zu sehn, — ja, wo ist er denn nur geblieben?“

Ulrika bückte sich zu einem Grashalm am bemoosten Wegrand, riß ihn aus und sagte nachdenklich im Weitergehn:

„Ich verstehe sie, ja. Wenn ich gespielt habe, wenn ich fertig bin und die Leute klatschen, und ich gehe hinaus und komme wieder, sooft man mich hineinschiebt, — das ist — Lärm, davon verstehe ich nichts. Aber vorher — — die Erwartung, und das Gefühl: zu können, Macht zu haben, und — das Zurechtrücken im Stuhl, und das Präludieren ... ja, es ist sonderbar und ist doch so: besser spiele ich wohl nicht, als wenn ich mit dir oder sonst jemand im Zimmer allein bin, — aber anders spiele ich, ganz anders, und sie Alle spielen mit ...“

Renate vergaß, etwas zu antworten, denn sie waren im Burghof; die beiden Ankleidezelte waren da, aus dem einen spähte eine Frau mit nackten Armen, eine andre ging hinein, Saint-Georges war nicht zu sehn.