„Herzog muß es heißen,“ flüsterte Renate lachend, über sein beflammtes Gesicht huschte leichter Schreck, dann lächelte er und fuhr richtig fort:

„Am eisernen Tische fand dein weißes Roß

Den Auserwählten, doch es war kein Schild;

Des Bauern Pflugschar wars, von der er schmauste

Sein karges Brot!“

Renate, hinter sich das erstaunte Bühnengemurmel ihres Hofes, sagte: „Da, komm, mein braver Junge!“ und, den süßen Botenlohn ihrer Jamben verschluckend, hob sie den Jungen kräftig von der Erde auf, drückte ihn — er war klein wie ein zehnjähriger — an die Brust und küßte ihn fest auf den Mund. Der Junge schloß die Augen, hing einen Augenblick still, riß sich erschrocken los, machte eine Bewegung mit dem freien Arm, als ob er sich den Mund wischen wollte, schüttelte sich plötzlich und sprang, sich umwirbelnd, davon. Renate lachte ihm mit der Umgebung fröhlich nach.

Nun waren auch Schimmel und Reiter nahe heraufgesprengt, der Schauspieler im weißen Bauernhemd und blauen, riemenumwundenen Strümpfen, nicht ungeschickt auf dem ungesattelten Pferd, hielt, sah sich staunend um. — Theater, dachte Renate, ist doch was Sonderbares! — Das bartlose, ungeschminkte Gesicht erinnerte weitläufig an Georg, aber die tönende Stimme, mit der er nun sein: „Wo bin ich? Welch ein Traum umfängt mich denn?“ hervorsang, enttäuschte Renate. Sie erklärte mit natürlichem Hochmut:

„Heliodora siehst du, Herzogin von Trassenberg. Und wie es scheint, sollst du mein Gatte sein!“

Über ihre eigne Nichtachtung lächelnd, froh, daß eine Schauspielerin im nächsten Akt Heliodoras Zähmung darzustellen habe, fuhr sie fort: woher er komme, wer er sei. — Gregor, der erstaunte Bauer, sprang nun vom Pferde, es wurde fortgeführt, er sank aufs Knie, flüsterte: „Sakrament, Sakrament, Fräulein, wie schön sind Sie!“ und ließ die Jamben des Stadtpoeten rollen:

„Wie leicht ist Fragen, — Antwort, ach, wie schwer!