„Weißt du, Erasmus, nun habe ich eben gesehn, was du hast. Ein sehr schönes Ohr. Aber das andre wird auch so sein. Hier —“ sie zog mit dem Finger den Umriß in die Luft — „hier oben ist eine sehr schön gebogene Schleife; dann wirds ganz eingezogen, und das Ohrläppchen ist sehr lang und gerundet.“ Ja, wie schön, dachte sie innerlich, in einem so unvollkommenen Gesicht eine so vollkommene Sache; vielleicht gilt überhaupt nur die und das andere gar nicht! „Es ist genau,“ schloß sie, „wie ein großes Fragezeichen, und das muß so sein.“
Er hatte das Gesicht hergewandt. „Weswegen denn das?“
„Na, Ohren, was tun die denn? Sie horchen, sie fragen doch immer! — Aber nun will ich fragen.“
Nach einem langen Stillschweigen dann, während es draußen dunkler wurde und der Regen rauschender fiel, die kleinen Bilder an den Wänden fast ihre Farbe verloren, begann sie:
„Erasmus, wie warst du als Junge?“
Es dauerte eine Weile, bis sie ihn sagen hörte: „Zu!“ und sie dachte, es käme noch eine Ergänzung, aber nichts.
„Und als Jüngling?“
„Böse.“
„Und als Mann?“
Er beugte sich weiter vor und sagte: „Hülflos.“