„Zugeschlossen“, wiederholte sie leise. „Du durftest nicht zeigen, was in dir war. Oder du mußtest es heimlich tun, nicht wahr? Wenn du deiner Stiefmutter etwas schenken wolltest, so trugst du es in ihr Zimmer, wenn sie nicht darin war.“
„Woher weißt du das?“ fragte er erstaunt.
„Ach woher! Ich weiß eben! Dann bist du auch so langsam gewesen und kamst immer zu spät, und Alle lachten. Da ließest du es lieber ganz sein. Und keiner, dachtest du, mochte dich leiden.“
„Das dacht ich. Mein Vater fürchtete sich vor meinem Gesicht.“
„Ja. Und mein Vater hat sich vor dem Großpapa gefürchtet, es war grad umgekehrt. Und dann war Josef immer da und viel leichter, nicht? In der Schule fielen dir die Antworten zu spät ein, und das genügte nicht. Ach, guter Erasmus, ich sehe deine Kindheit wie einen kleinen Stern hinter einer schweren Wolke. Nun wird alles besser werden.“
„Als aber“, fing sie bald darauf wieder an, „Mathematik und Naturwissenschaften kamen, da hattest du einen guten Ofen, der wärmte, nicht wahr? Darin warst du Allen überlegen, und sie fingen an, dich zu achten. Bekamst du da Freunde?“
„Erst nicht. Dann Bogner. Der hatte es ähnlich zu Hause wie ich, wenn auch in andrer Weise. Er machte mir Zeichnungen, und ich seine Aufgaben. Schließlich lief er doch weg.“
„Wobei du ihm halfst. Dann kam das Examen bald, und du gingst —“
„Nach Berlin. Da wollt ich allein sein.“
„Lerntest du da Klemens kennen? Wie war das?“