Die Zofe kam, auf den Armen den mächtigen Bausch des dunkelvioletten Kleidrocks. Renate, vor Ulrika stehend, fragte leise: „Was soll denn nun werden?“

Sie schüttelte traurig lächelnd den Kopf, faßte in die Falten des Kleides und zog sie nach unten, während die Zofe sie oben über Renates Kopf und Schultern auf die Hüften senkte. Dann fuhr sie in die schilfgrüne, engärmelige Tunika mit goldenen Säumen und Stickerei; Ulrika brachte einen Gürtel aus schwarzen und goldenen Quadraten.

„Den kenne ich ja gar nicht“, sagte Renate verwundert und betrachtete voll Freude die Bildnerei in den Goldvierecken, die Tiere der Wendekreise und Figuren aus den Sternen. „Seine Durchlaucht“, gestand die Zofe lächelnd, „haben ihn mir heute morgen gegeben.“ Ulrika sagte nur: „Ha!“ während Renate errötete und sich freute. Das war schön, das war ein schöner Gedanke, sie heute zu gürten. Sie hakte den Gürtel wortlos über den Lenden zusammen, sah das freibleibende Ende mit einer großen goldenen Scheibe daran zwischen den Knien niederfallen, dann stand die Zofe da mit den schneeweißgefütterten, goldenen Überärmeln, riesengroßen Tüten, deren Zipfel, als sie übergezogen waren, bis auf die Füße hinunterhingen.

„Bin ich schön?“ fragte sie, sich vorm Spiegel drehend und zurücktretend, die händefaltende Ulrika, „ach, es ist eine Lust heute, schön zu sein! Den Mantel nachher,“ sagte sie und mußte plötzlich zum Türvorhang eilen, im Gefühl, jemand stehe draußen. Die Falte hebend, sah sie wirklich den Gugelmann, streckte freudig die Hand nach ihm, erfaßte die seine und sagte leise: „Komm herein, Georges, ich bin so froh, daß du —“

Die Gugelkappe bewegte sich langsam, verneinend, hin und her. „Wir befinden uns in einem Irrtum“, sagte eine nicht völlig unbekannte Stimme; er lüpfte die Kappe über der Achsel; im Dunkel, dort wo das Gesicht war, wurde etwas häßliches Rotes sichtbar.

„Josef!“ stieß sie halblaut hervor, erschreckt. Er ließ die Kappe wieder fallen und nickte. Sie sah jetzt durch die Schlitze dunkel den Schein seiner Augen, dazu auch seine Größe, da er Georges doch um einen Kopf überragte. Sie ließ seine Hand fallen.

„Komm herein“, sagte sie und trat zurück. Er folgte.

Für Minuten verwirrt, nach zwei Seiten gerissen von wünschenden, hoffenden, begierigen Gedanken, rauschte Renate in den großen Raum hinein, bemerkte einen Karton, an dem die Jungfer packte, und bat sie, einen Augenblick ins Freie zu gehn. Rauschte wieder zurück, sah den schwarzen Josef still an der Tür stehn, drehte sich um, stand und sagte kurz zu Ulrika hinüber: „Es ist mein Vetter Josef.“

Ulrika grüßte freundlich und murmelte etwas. — Renate vergrub die Unterarme in die Ärmelfalten, dachte schwirrend deutlicher an den Herzog, an ihren Onkel, warf den Kopf in den Nacken und sagte: „Ich habe damals nicht gewollt, daß du meinetwegen zum Vater gingest. Sagtest du nicht, daß du gehen würdest?“ Die schwarze Kappenspitze bewegte sich bejahend. „Heute muß ich wünschen, daß du um meinetwillen gehst, meine Gedanken verkehren sich, ich weiß nicht mehr, was Recht und was Unrecht ist.“

„Wie unverständlich“, hörte sie Josef sagen. „Wenn du dir von meinem Kommen etwas versprichst für deinen Onkel, so dürfte es wohl gleich sein, aus welchem Grunde ich komme.“