„Ich wußte es längst,“ murmelte Renate unwillig, „ich fühlte es.“
„Wir sind es immer,“ hörte sie Josefs kühle Stimme sagen, „die alle fremde Angelegenheit durch unsre eigenen entstellen. Immer müßt ihr selber zwischen euch stehn und den Dingen.“
„Du sprichst gegen dich selbst, Josef?“
„Ich sehe, was kommt,“ versetzte er ruhig, „und außerdem äußere ich eine Meinung, weiter nichts. Wenn jemand imstande ist, von sich selber abzusehn, so bin ich derjenige, — du weißt.“
Renate mußte da lächeln, heftete die Augen fest auf ihn und sagte: „Seit heute morgen bin ich die Verlobte des Herzogs.“ Ihre Augen glitten zu Ulrika, die überrascht und heiter den Kopf zurückbewegte. Josef regte sich nicht; aber es verging eine halbe Minute, bis Renate etwas vernahm, das halb ein Pfeifen war, halb ein Seufzer, schwer, und doch wieder — erleichtert. Dann hörte sie ihn sagen:
„Ich gratuliere. Ziemlicheres ließ sich kaum erdenken. — Er ist ein Mann,“ setzte er großmütig hinzu, kam zu Renate, sie ließ ihm die rechte Hand, er ergriff und küßte sie. Auch Ulrika kam und umarmte sie schweigend und mit Innigkeit.
„Du kommst also mit mir, Josef? Ich verlasse das Haus nicht, eh dein Vater dich gesehn hat.“ Er neigte den Kopf.
„Dann fort!“ rief Renate, „auf dem Festwagen wird Platz für dich sein.“ Sie lief zur Tür, winkte der Zofe, die herlaufend rief, Herr Bogner ließe sagen, das Automobil stünde am andern Ende der Burg. — Sie verließen das Zelt.
Im Wagen
Durch den Burghof, am Fuße der Mauern hin, gelangten sie zur Fahrstraße; dort, in der Nähe des schwarzen Wagens, saß auf einem Baumstumpf der rotbeinige Maler; sein kleiner Schüler lehnte ihm am Knie und zeichnete auf einem Block. Nun blickten Beide auf, der Junge sprang zur Seite und errötete tief, vielleicht weil er seine linke Hand mit dem Taschentuch verbunden hatte, und da Renate ihn sacht herbeiwinkte, kam er trotzig hergeschlendert, die Hände mit seinem Zeichenblock auf dem Rücken und mit der Miene eines jungen Hundes: es paßt mir gerade diesen Weg zu gehn ... Renate fragte leise, sich zu ihm bückend: „Was hast du mit deiner Hand gemacht?“