„Mich gerissen,“ log er finster und flammenrot im Gesicht.
„Laß mal sehn“, lockte sie, aber er schüttelte nur abweisend den Kopf. Da ehrte sie seinen männlichen Ernst und stieg in den Wagen, Ulrika zu sich nehmend. Die Zofe nahm mit ihrem Pappkarton den Platz neben dem Fahrer, auch der Junge kletterte zu ihr. Bogner und Josef standen noch, miteinander sprechend, zusammen, es schien, sie hatten sich schon begrüßt, — kletterten dann auf die hochgeklappten Vordersitze nebeneinander, so daß Renate Bogners Rücken und Hinterkopf vor sich hatte, Ulrika Josefs Gugelkappe. Sie rollten ab.
„Welch ein schöner, keuscher Junge, Bogner,“ sagte Renate nach einer Weile, „keusche Männer sind so selten.“
Bogner, sein Profil herwendend, fragte spät: „Warum keusch?“
Renate fand nicht gleich eine Antwort, und Josef, sich herumsetzend, sagte hurtig: „Keusche Männer sind etwas Unleidliches. Ich sage nichts gegen deinen Knaben Tobias, der ja kein Mann ist.“
„Heißt er Tobias?“
„Er heißt nicht so, wird aber so genannt, weil er ein Hündlein hat und einen Engel in Bogner.“
„Und keusch ist wie Tobias,“ lachte Renate, von dem Gleichnis erfreut, „oder betete Tobias nicht drei Nächte mit seinem Weibe Sarah, ehe er sie nahm?“
„Sarah, siehst du,“ erwiderte Josef, „war keusch; sieben Männer mußten Todes sterben und durften nicht an sie heran, dann kam der rechte, und ‚Azaria, mein Bruder‘ trieb den Teufel der Unkeuschheit aus.“
„Was ist denn unkeusch, Josef, bitte, ich habe dich so lange nicht plätschern gehört!“