„Mitten.“
„Und das Unendliche selbst, wo kann es nur sein?“
„In mir.“
„In dir, Erasmus, ja in dir! Der Kreis, der ewige Kreis, der du bist, und dessen Umlauf nirgend, und dessen Mitte allüberall ist. Wie konntest du denn — ach, nun fällt mir etwas ein, es ist zum Lachen, aber höre nur! Neben unsrer Kleinbahn bei Flor standen in Abständen auf dem Damm immer Pfähle mit einem wagrechten Brett oben, wie Wegweiser, die senkrecht weg von der Bahn zeigten, und darauf war das mathematische Unendlichkeitszeichen gemalt — so!“ Sie malte mit dem Finger die liegende Acht in die Luft. „Und ich weiß noch, wie ich zu Papa gelaufen kam, als ich das Zeichen gelernt hatte, außer mir, weil da überall Wegweiser standen mit dem Zeichen. Hier gehts zur Unendlichkeit! nicht wahr? und natürlich hatten sie recht, da alle Wege in sie münden. Aber in Wirklichkeit: liegt es denn da draußen irgendwo, das Unendliche? Und sahst du nicht immer nach oben oder unten, nach draußen, um es zu finden? Was also hättest du tun müssen statt dessen?“
Gott erhalte mir jetzt meinen Verstand, betete sie inbrünstig und nahm all ihren Scharfsinn zusammen, dieweil sie ihn antworten hörte: „Nach innen sehn!“ und hinzusetzen, ungläubig: „Aber — da war doch nichts!“
„Nichts, Erasmus? Mit dir hat man seine Not! Wo, sagtest du eben, sei das Unendliche?“
„Und in welcher Gestalt? göttlicher oder menschlicher?“
„Menschlicher.“
„Die wie aussieht, du sagtest es vorhin?“