„Davon ist aber zumindest die Hälfte von dir, Georg“, bemerkte sie heiter.

„Aber keineswegs! Von mir ganz allein dagegen ist dies:“ Er las ernst:

„Nur tiefer
(Im Gedächtnis Ulrika Tregiornis)

Der Tote, den du liebst, an seiner Hand

Führt er dich mit hinaus aus deiner Welt.

Du siehst dich um. Und wie der Schleier fällt,

Nur tiefer stehst du da in deinem Land.“

„Ulrika ...“ sagte sie leise. Dann: „Welch ferne, ferne Musik!“

Georg ließ das Buch sinken und empfand lastender die Schwere, die auf ihm lag. Über der ehernen kalten Meerflut erschien wehend der grüne Deich mit dem einsamen Grabesblock, und das Auge der Verlassenheit erhob sich darüber, ohne Bewegung. Georg glaubte, nicht gleich weiterlesen zu dürfen, und glitt langsam in den ersten Absatz einer Niederschrift, die allein vor den andern ein Datum zeigte, von dem er jedoch nicht mehr wußte, was es bedeutete, und erst mit dem Anfang des zweiten Absatzes fiel es ihm ein mit dem Heimwehstich, den er bekam.

‚Wenn deine Freundin über irgendeine Sache Tränen vergießt, und zwar in einem Maß, das dir unbegreiflich erscheint, und wenn du dann fragst, und sie sagt: Es ist nichts! oder: Ich weiß nicht warum, — so fliehe gleich von ihr, denn über vier Wochen oder in einem halben Jahr wird sie dir oder ihr etwas Furchtbares antun, dessen Tränen sie damals ahnungsvoll vorausweinte.