Eine kleine Zahl von dem Rest hat zwar eingesehn, daß sie nicht zufrieden sein darf mit dem, was sie hat, und daß alles anders sein sollte. Wie sie aber beschaffen sind, vermögen sie sich von der zeitlichen Grundlage, auf der sie stehn, nicht zu entfernen; sie sehen nicht ein ‚Alles‘, sehen kein Ausdemgrunde, das zu ändern wäre, sondern nur ein Vieles, und jeder ein Andres, und der Eine meint dieses, der Andre das, welches geändert werden und welches geändert auch alles Übrige umwandeln müßte, — und der Erfolg ist nur Hader. Ganz wenige sind, die das ‚Alles‘ erkannten und die volle Unmöglichkeit dieses Lebens, in das wir Alle verstrickt sind.

Diese stehen einsam in der Verstrickung, wissen weder sich selbst noch den Andern zu helfen, und wenn der Eine sich begnügt, ein System zu entwerfen: wie es eigentlich sein sollte, so hat der Andre nichts als den heiseren Nachtschrei zu Gott.)

VIII

Geduld dächte rückwärts und würde erfahren: die Schuld liegt bei mir; Ungeduld denkt nicht.

Geduld ist stark; Ungeduld ist schwach.

Geduld hat Vertrauen und glaubt der eigenen Rechtlichkeit. Schwäche ist Mißtrauen; sie ist Befangenheit in der uralten Verwirrung, erkennt nicht das Gute, dessen Sehnsucht, dessen Gebot und Kraft; sie mißtraut sich selbst und den Andern. Sie hat in sich keinen Halt und vermutet ihn bei keinem. Der Halt ist Glauben; der Anhalt ist Gott.

IX

Unzählbar in den Evangelien und Episteln sind die Worte vom Glauben. Lösen wir aus diesen und aus jenen, aus der Darstellung und der Auslegung nur die beiden heraus, die uns am tiefsten zu leuchten scheinen, so lautet das eine (bei Johannes im 11. Kapitel, V. 25):

‚Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, der wird leben, ob er gleich stürbe.‘

Und das andre (im Paulusbrief an die Römer, Kap. 3, V. 28):