Plötzlich erschrak er. Und so war es, begann etwas zu reden, so war dennoch dies immer die Aufgabe und die Bestimmung: zu werden, der ich nun bin, Fürst in diesem Land. Aufgabe, die ich zwar vor mir nur sah wie ein prunkvolles Gefäß, mich zu stillen. Und was ich auch tat, ich mußte in sie hineinwachsen? Und damit ich wahrhaft wüchse, all dies? all diese Hiebe des Schicksals, dies fast nun sinnlos Scheinende, da es nun wieder aufgehoben wird und umsonst war im Sinne menschlicher Zwecke? Dennoch voll tiefsten Sinns? Und nun heut, da ich mich hingefochten hab durch mich selbst — nun auch das Siegel des Rechts, und ich darf der Sohn meines Vaters sein? Und dies heißt: von Gottes Gnaden?
Oh, nein, nein, fort, es ist ja zu früh, viel zu früh! es muß ja noch — erledigt werden! Was? Bilder, ja, Bogners Bilder! Wie? Ja, wo bin ich denn? — Nein, sieh, das muß Bogners Haus sein!
Wenige hundert Schritte weit südlich stand ein weißer mächtiger Rundbau mit schwärzlichem, flach geschrägtem Dach und flacher Laterne; breite Fenster unter dem Dachrand flammten glühend golden. Ein kleines weißes Haus davor schien mit dem Rundbau zusammenzuhängen.
Plötzlich hatte er sich losgerissen und lief durch wagenradbreite Pfade zwischen dem Haidekraut die Anhöhe hinunter, sprang über einen Graben und gelangte über eine triefend nasse Wiese auf den Sandweg, der wenige Schritte zur Rechten vor der Tür jenes kleinen Hauses endete. Es war durch einen kurzen verdeckten Gang mit dem Rundbau verbunden.
Eine Glocke schlug hellstimmig an, als Georg die Tür aufklinkte. Drin war ein dämmriger Gang mit geweißten Wänden und Türen, von dem rechts hinten eine Treppe abzweigte, und in einer der Türen erschien eine weibliche Gestalt, die ihn ansah: Cornelia Ring.
Cornelia
Die dunklen, runden, klugen, gefaßten Augen. Das straff aus der Stirne gestrichene Haar. Die Stirn unter leisen Wellen von Kindlichkeit. Die Oberlippe. Die schmale und gefestigte Gestalt, die ihn wieder an die eines jungen Baumes mahnte. Georg war sehr erstaunt, beherrschte sich aber sonst.
Sie kam zögernd näher, im Blick etwas Furchtsames, bis sie vor ihm stand; legte eine Hand auf seine linke Schulter und gegen die andre die Stirn. Unter ihr Gesicht blickend sah er, daß sie sich auf die Lippen biß, sich abmühend, zu sprechen, oder nicht zu weinen. — Da sie dies leicht tat, schien es ihm das Beste, sie täte es gleich.
Er legte deshalb den Arm um sie und mußte lächeln, als er gleich darauf spürte, was ihr eigen war: daß von dem überströmten Gesicht ein warmer Dunst aufstieg, wie von einem Kinde, und sehr rein.
Sie machte sich los, zog — oh die alte Bewegung! — ihr Taschentuch aus dem Gürtel, indem sie sich dehnte und die Schultern anhob, trocknete ihr Gesicht, nahm seine Hand und führte ihn still in ein sehr kleines Gemach mit Bett, Tisch und Schrank.