Wie aber ward alles anders mit einem Mal? War es keine Blume mehr? War es nur eine kleine grüne Seelengestalt, die hier mit sich allein war in der Windstille? Warum hier? Und sehr allein, da sie nirgend hingehn konnte, zu keinem Wesen der Freundschaft, nachbarlos, wie sie beschaffen war. Aber wieder, je länger er hinsah, um so mehr ward sie Blume vor seinen Augen, und er konnte wiederum Neues erkennen: daß sie von allen Seiten gemacht war, ein lebendiges Wesen, das doch kein Hinten hatte noch Vorn, sondern nach überallhin war wie das Licht.

Und wie er jetzt — erzitternd — sie erfüllt fand von einem inneren Frohsein, so sanftgeneigt, so in sich blickend; und daß sie ihm alles zeigte, was sie zu eigen hatte, ihr Nichtbemühn, ihre Unbedürftigkeit, ihr Wissen um jedes, was not war, — da dachte er in einer rieselnden Bestürztheit noch: Sie ist gekommen — und nicht Renate — —

Und kniete hin. Über die zarte Erscheinung geneigt, zerschmolz ihm an Wesen und Dasein die letzte Schranke; ging er, wie eine Flamme so leicht, ein in die letzte Stille und war selber nur noch ein kleines Gewölk von Seele vor dem kleinen Sonnenantlitz der Blüte.

Georg legte das Gesicht in die Hände und weinte.

Er erwachte, liegend am Boden, aus seinen Tränen, gelöst, heilig froh und gestillt in allen Tiefen.

Heilig, heilig, ihr Tränen! sang eine neue Stimme. Die ihr euch im Kelch einer Pflanze gesammelt habt als reinlicher Tau, ihr seid heilig. Heilig, du ewige Pflanze! Unschuldige, aus dir leuchtete mir die letzte Unschuld der Natur; meine eigene Unschuld leuchtete mir entgegen. Ich habe gesündigt in meiner Verstricktheit, ich, der ich Füße empfing, zu gehn, Hände, um zu fassen, und ein Herz, um Gutes und Böses zu sinnen. Aber ich, der wie du aus dem unergründlichen Schoße stieg, ich habe dennoch teil an dir und an deiner Unschuldigkeit. Sieh, ich halte dich in der Hand, o du magischer Schlüssel, und die Riegel aller noch verschlossenen Erkenntnisse springen freudig auf und lassen die gefangenen Genien heraus in das nährende Licht. Vater, o Väterlichkeit! Oh sei mir väterlich, Welt, und ich will dir dienen!

An den Ostrand des Himmels schien dem Liegenden sein Haupt, an den Westrand schienen ihm seine Füße zu stoßen, — so lag er auf dem dunklen Rücken der Erde. Im Lüfteraum glitten Fanfaren. Aus Tiefen der See brach ein ferner, dunkler Chorgesang auf:

Aufgenommen, eingekehrt,

Durchgeprüft und tief belehrt.

Sohn und Sünder, Knecht und Held,