Die vier Kinder Katharinas waren bei ihr; und wohl auch einige junge
Verwandte. Den Neffen Luthers, Fabian Kaufmann, jetzt mit dem
lateinischen Gelehrtennamen Mercator, empfahl Jonas 1548 zu einer
Hofstelle an die Fürsten von Anhalt[642].

Johannes studierte in Wittenberg weiter als Rechtsbeflissener. Möglicherweise hat er, ehe nach den Unruhen des Krieges die Muße und Gelegenheit zum Studium wieder eintrat, „auf den väterlichen Gütern ein ländliches Leben geführt“, d.h. der Mutter bei der Landwirtschaft beigestanden, wie einmal berichtet wird[643]. Nach Ostern 1549 kam nun Melanchthons Schwiegersohn Sabinus, Rektor der Königsberger Hochschule, nach Wittenberg. Dieser erzählte viel von des Preußenherzogs Wohlwollen gegen Luthers Familie. Da riet Melanchthon, den jungen Mann nach Königsberg zu schicken, damit er dort durch die Gunst des Königs seine Studien vollende. So schrieb nun Frau Käthe an Herzog Albrecht einen Brief.

„Gnade und Frieden in Christo samt meinem armen Gebet zu Gott für
E.F.Gn. zuvoran.

Durchlauchtigster und hochgeborner Fürst und Herr!

Da sich E.F.Gn. gegen meinen lieben Herrn gottseligen, Doctorem Martinum mit sonderlichen Gnaden allezeit erzeigt, so hab ich in keinen Zweifel gestellt, E.F.Gn. würden auch mir aus sonderlichen Gnaden, so unser lieber Gott E.F.Gn. zu seinem göttlichen Wort, das zu lieben, zu schützen und zu handhaben verliehen, auch um meines lieben Herrn seliger willen als eines wahren Propheten dieser letzten gefährlichen und unruhigen Zeiten mich und meine lieben Kinder als nachgelassene Witwe und Waisen in gnädigen Schutz nehmen und Ihnen befohlen sein lassen.

Als ohne Not, E.F.Gn. zu erinnern, in wie schwere Not meiner Haushaltung ich nach jetzt ergangener Kriegsführung gediehen, auch wie kümmerlich ich bisher von meinen armen verwüsteten und verheerten Gütern mich samt meinen Kindern ernähren und erhalten müssen — hab ich aus Rat des Herrn Philippi und Anzeigen des Herrn Dr. Sabini, wie geneigt E.F.Gn. meinen Kindern sei, meinen ältesten Sohn Hans an E.F.Gn. abgefertigt, und nachdem dann E.F.Gn. ihn noch eine Zeitlang bei den Studien zu erhalten sich gnädigst erboten, will gegen E.F.Gn. ich mich derselbigen gnädigen Förderung und Mitsorge für meine nachgelassenen armen Kinder aufs demütigste bedankt haben.

Dieweil aber dies meines Sohnes erstes Abreise ist, und ich auch derhalben ihn zumeist abgefertigt, (damit er) neben seinen Studien gegen die Leute lerne wissen sich zu (ver)halten, so ist an E.F.Gn. dies meine demütige Bitte, dieselben wollten diesen meinen Sohn um meines lieben Herrn gottseliger willen in Gnade und Schutz aufnehmen und da er sich sonst in der erste in allem gegen E.F.Gn. nicht zu erzeigen wüßte, solches noch seiner Unwissenheit und ersten Ausfahrt gnädiglich zu gute halten und Geduld mit ihm tragen. Als zweifel ich nicht, er wird sich gegen E.F.Gn. zu unterthänigem und seinen Präceptoribus zu schuldigem Gehorsam wohl zu verhalten wissen, seinen Studiis und demjenigen, so ihm oblieget, fleißig nachgehen und gegen E.F.Gn. ehrbar und denkbarlich in aller Untertänigkeit sich zu erzeigen wissen.

Dies dann E.F.Gn. gnädige Beförderung unser lieber Gott auch reichlich wiederum belohnen wird und bin für E.F.Gn. gegen Gott um langwährende Regierung und Wohlfahrt fürzubitten allezeit demütiglich beflissen.

Datum Wittenberg, den 29. Mai anno 49.

E.F.G.