Und als nun Hans vollends das Stipendium und Studium in Königsberg aufgab und auf weitem Weg langsam heimkehrte, so war der Beweis geliefert, daß er zu nichts Besserem tauge als auf die herzogliche Kanzlei. Dahin kam er denn auch in Weimar.
Um so besser gediehen die Söhne Martin und Paul, von denen der eine
Theologie, der andere Medizin studierte; Margarete wuchs zur blühenden
Jungfrau heran.
Der Schmalkaldische Krieg war wohl sonst zu Ende, nur nicht in Sachsen; es entstand allerlei Unruhe und Kriegsgerücht, neue Sorge und Angst. Sachsen wimmelte von Soldaten, Wittenberg hatte starke Einquartierung. Und obwohl es Freundesvölker waren, so geschahen doch von der rohen Soldateska allerlei Gewaltthaten. In der festen Stadt waren die Bürger vor ihren eigenen Quartiergästen nicht sicher, vor die Mauern hinauszugehen wagte niemand, denn draußen in den Städtlein gab es Mord und Totschlag; übermütig forderten die Kriegsknechte das Unmögliche[650].
Und wie sah es nun wieder draußen auf den Höfen und in den Gärten aus, wo eben mit Mühe die Schäden des Schmalkaldischen Krieges wieder hergestellt waren! Da waren Verwüstungen und Kontribution auf ihren Höfen vorgekommen. „Es ist am Tage“, klagt Bugenhagen, „daß sie in ihren Gütern dies Jahr (1551) großen Schaden gelitten.“ „Derwegen mußte sie zu Recht gehen vor des Kurfürsten Gericht wider Jan Löser.“ Jan Löser — des alten Hans Löser († 1541), ihres Gevatters Sohn und Luthers Paten — mußte Frau Katharina verklagen. Das war fürwahr ein bittrer Gang[651].
Und ob sie ihr Recht bekommen?
Der Kurfürst Moriz rüstete sich eben zum Schlage gegen den alten Kaiser.
Da hatte er wohl keine Zeit und Lust, eine klagende Witwe anzuhören.
So mußte Frau Katharina nochmals den sauren Schritt thun und sich an den dänischen König wenden, an den sie am 8. Januar 1552 u.a. schreibt:
„E.K.M. wissen sich gnädiglich zu entsinnen, wie daß E.K.M. meinem lieben Herrn seligen samt dem Herrn Philippo und D. Pomerano jährlich ein Gnadengeld geschenkt, welches sie zu Unterhalt ihrer Haushaltung und Kinderlein haben sollten, welches denn bishero gemeldeten Herrn von E.K.M. überreichet (worden). Dieweil aber mein seliger lieber Herr E.K.M. allzeit geliebet und für den christlichsten König gehalten, auch E.K.M. sich in solchen Gnaden gegen seligen meinen Herrn verhalten: so werde ich durch dringende Not bewogen, E.K.M. in meinem Elend unterthäniglich zu ersuchen, des Verhoffens, E.K.M. werden mir armen und itzt von jedermann verlassenen Witwen solch mein unwürdig Schreiben gnädiglich zu gut halten und mir aus Gnaden solch Geld folgen lassen. Denn E.K.M. sonder Zweifel bewußt, wie es nu nach dem Abgang meines sel. Mannes gestanden, wie man die Elenden gedrückt, Witwen und Waisen gemacht, also daß (es) zu erbarmen; ja (auch) mir mehr durch Freunde als durch Feinde Schaden zugefügt; welches alles E.K.M. zu erzählen zu lang wäre. Aus diesen und anderen Ursachen werde ich gedränget, E.K.M. unterthänig zu ersuchen, nachdem sich ein jeder so fremd gegen mir stellt und sich meiner niemand erbarmen will.“
Bugenhagen unterstützte in einer Beilage diese Bitte der Witwe „Patris
Lutheri“, welche „fast (sehr) klaget“. Und mit Erfolg: am 22. März kam
das Geld in seine Hand und er schreibt, daß S.M. „sehr wohl gethan“, die
Witwe zu trösten[646].
Im Februar 1552, als die Kriegsknechte am rohesten hausten, wurden die
Gemüter in Wittenberg noch erschreckt mitten im Winter durch heftige
Gewitter mit Blitz und Donnerschlägen. Aber bald darauf zogen die
Kriegsvölker ab.