Einem wegziehenden Famulus würde er gerne zehn Gulden geben, wenn er sie hätte; aber unter fünf Gulden soll ihm seine Frau nicht geben und was sie darüber kann geben, bittet der Doktor sie, das solle sie thun — also bis auf den letzten Gulden mutet er der Hausfrau zu sich zu entblößen und doch trägt er der Frau gleichzeitig auf, ein Mitbringsel für die Kinder zu kaufen, weil er selbst in Torgau nichts Sonderliches fände[246].

Für seine Vorlesungen nahm Luther von den Studenten keine Kollegiengelder. Ja, auch von seinen Schriften nahm er kein Honorar: 400 fl., die ihm ein Buchdrucker jährlich für den Verlag seiner Schriften anbot, schlug er aus, auch die 1000 fl., welche Melanchthon ihm für die Ausarbeitung des deutschen Aesop versprach. Eine Kure im Silberbergwerk zu Schneeberg, welche ihm der Kurfürst für seine Bibelübersetzung 1529 schenken wollte, wies er ab: er wollte von der Welt seine geistige Arbeit nicht bezahlt haben und wie Paulus mit dem Gotteswort nicht Handel treiben[247].

Bei einer solchen Gesinnung und Handlungsweise ist es begreiflich, daß die praktische Frau Käthe auch einmal über ihren Doktor mit seiner Geldverachtung seufzte. Als der gleichfalls wenig haushälterische Meister Philipp Melanchthon einmal bei Luther speiste und im Gespräch über den Weltlauf von einem Magister sprach, welcher dem Geiz ergeben, ein sehr gutes Urteil über gute und schlechte Gulden habe, bemerkte die Doktorin: „Wenn mein Gemahl solchen Sinn hätte, würde er gar reich sein.“ Melanchthon meinte darauf: „Das kann nicht sein, denn die Geister, welche für die Allgemeinheit arbeiten, können sich ihren Privatangelegenheiten nicht hingeben“[248].

Den nicht gerade außerordentlichen Einnahmen Luthers standen nun aber gewaltige Ausgaben gegenüber. Zunächst einmal für die ausgedehnte Haushaltung; dann aber auch für andere Zwecke und Anschaffungen. Einen interessanten Einblick in diese Dinge gewähren die Aufzeichnungen Luthers in seinem Haushaltungsbuch. Da ist[249] eine

„Wunderliche Rechnung gehalten zwischen Doc. Martin und Käthe

1535
Anno ——
1536
das waren zwei halbe Jahr.
90 fl. für Getreide
90 fl. für die Hufen
20 fl. für Leinwat (Leinwand)
30 fl. für Schweine
28 fl. Muhme Lene gen Borna(u)
29 fl. für Ochsen
10 fl. Valt. Mollerstet bezahlt
10 fl. Geleitsmann "
8 Thaler M. Philipp "
40 fl. für Gregor Tischer "
26 fl. Universität "
———-
Zus. 389 fl. außer andern Viktualien. "

Diese „andern Viktualien“ waren Gemüse, Fleisch, Fisch und Geflügel,
Obst und Kolonialwaren, Getreide und Hopfen, Brot und Semmel, Oel und
Talg, Butter und Honig, Wein und Bier.

Dann hieß es: „Gieb Geld für Hanf und Flachs, Garn und Wachs, Nägel und
Haken, allerlei Geschirr und Geräte in Stube, Küche, Keller, Garten; für
Wagen und Geschirr.“

„Gieb Geld“ forderten auch 29erlei Handwerker, ferner Buchführer
(Buchhändler), Arzt, Apotheker und Präzeptor, Knechte, Mägde, Hirten,
Knaben und Jungfern, Bräute und Gevattern, auch Bettler und —
Diebe[250].

Ausgaben gab es dann für manche Patengeschenke, Hochzeiten und
Gastungen, Geschenke zu Neujahr, Jahrmarkt und S. Niklas. Endlich kamen
die „grobe Stück: Hochzeit machen für Sohn, Tochter, Freundin; dem
Krämer für Seiden, Sammet und Wurze“[251].