„Gnade und Friede in Christo.

Lieber Herr Käthe! Ich weiß Dir nichts zu schreiben, weil Magister Philipps samt den andern selbst kommen. Ich muß länger hier bleiben, um des frommen Fürsten willen. Du magst denken, wie lange ich hier bleiben werde, oder wie Du mich los machst. Ich halt', M. Franciscus wird mich wieder los machen, wie ich ihn losgemacht habe, doch nicht so balde.

Gestern hatt' ich einen bösen Trunk gefaßt, da mußt' ich singen. Trink' ich nicht wohl, das ist mir leid und thät's so recht gerne, und hab gedacht, wie gut Wein und Bier hab' ich daheime, dazu eine schöne Frauen oder (sollt' ich sagen) Herrn. Und Du thätest wohl, daß Du mir hinüberschicktest den ganzen Keller voll meines Weines und eine Flaschen Deines Biers, so oft Du kannst. Sonst komme ich vor dem neuen Bier nicht wieder. Hiermit Gott befohlen samt unsern Jüngern und altem Gesinde, Amen.

Mittwoch nach Jakobi, 1534.

Dein Liebchen

Mart. LutheR, D.“

Im Jahre 1535 kam der päpstliche Gesandte Kardinal Vergerius durch Wittenberg; mit glänzendem Gefolge, zwanzig Pferden und einem Esel zog er ins Schloß und ließ Luther dahin einladen. Der ließ sich schön schmücken, hängte eine goldene Kette um und fuhr mit Bugenhagen, als der deutsche Papst mit Kardinal Pomeranus, ins Schloß, wo er dem Legaten gegenüber, wie er sich vorgenommen hatte, den rechten Luther spielte. Da erzählte er auch dem Kirchenfürsten, um ihn zu ärgern, von seiner Frau, der ehrwürdigen Nonne, und seinen fünf Kindern, von denen der Erstgeborene hoffentlich ein großer evangelischer Theologe werden würde [300].

Während dieser Zeit waren mancherlei Verändernden im Kreise der Lutherschen Hausgenossen eingetreten. Natürlich wechselte von Jahr zu Jahr die Tafelrunde der jugendlichen Kostgänger durch Abgang oder Zugang zur Schule. Aber es starb auch einmal ein Schüler. So aus Nürnberg Hans Zink Ostern 1531. Er war allen ein gar lieber Bube, sonderlich dem Hausvater, indem er den Discant bei der abendlichen Hausmusik sang; aber auch weil er fein still und züchtig (sittsam) und im Studium sonderlich fleißig war, so daß allen gar wehe geschehen ist durch seinen Abscheid. Frau Käthe sparte zu seiner Pflege nichts an Fleiß, Sorge und Arzenei, um das fremde liebe Kind wo nur möglich zu retten und zu erhalten. Aber die Krankheit wurde übermächtig über die Pflege, und der Knabe ist Gott noch viel lieber gewesen als den Lutherschen, der hat ihn wollen haben. Das meldete Luther im Trauer- und Trostbrief den betrübten fernen Eltern. Auch später kamen solche Sterbefälle noch vor; ja es starben Ostern 1544, als in Wittenberg die Masern grassierten und auch Luthers Kinder alle daran darniederlagen, auf einmal zwei Zöglinge, ein wohlgeschickter Knabe aus Lüneburg und ein Straßburger. Das war keine kleine Verantwortung, welche Luther und besonders Käthe zu tragen hatte. Das jüngste, Margaretlein, hatte als Nachwehen 10 Wochen ein schweres hitziges Fieber und kämpfte noch vor Weihnachten um Gesundheit und Leben [301].

Der Diener Johannes Nischmann, der mehrere Jahre der Familie treulich und „fleißig gedienet, dem Evangelium gemäß sich demütig gehalten und alles gethan und gelitten“, zog Lichtmeß 1534 aus dem Schwarzen Kloster mit 5 fl. Lohn und einem guten Zeugnis. Von einem andern dagegen ging ein böses Geschrei aus, daß er sich von einem wenig achtbaren Mädchen hätte verführen lassen[302].

Schmerz und Verdruß bereiteten den Lutherischen Eheleuten in dieser Zeit aber auch ihre Verwandten.