Als die Brautleute so eifrig und heimlich mit einander sprachen und die Gesellschaft um sich her vergaßen, lächelte der Doktor und sagte: „Es wundert mich, daß doch ein Bräutigam mit der Braut so viel zu reden hat. Ob sie auch müde werden können? Aber man darf sie nicht vexieren, denn sie haben Freibriefe über alle Macht und Gewohnheit.“

Die Brautleute bekümmerten sich nun um die Herrichtung der Hochzeit und das Gästebitten. Da sprach der Doktor: „Seid unbekümmert, solches geht euch nichts an. Wir wollen bedacht sein auf solch zufällig Ding, das nicht zum Wesen des Ehestandes gehört.“

So schrieb denn Luther an den Fürsten von Anhalt um den Wild-Festbraten: „Ich bitte ganz demütig, wo Ew. Fürstl. Gnaden so viel Uebrigs hätten, wollten mir einen Frischling oder Schweinskopf schenken; denn ich soll bis Mittwoch mein Waislein, meiner Schwester Tochter versorgen.“ Der Wildbraten blieb natürlich nicht aus und Frau Käthe bereitete ihn zu, auch der Stadtrat schickte zum Hochzeitsmahl ein „Stübchen“ Frankenwein und vier Quart Jüterbogischen Wein — also aus des Bräutigams Heimat[317].

So richteten nun die Pflegeeltern ihrer Nichte Hochzeit aus und sorgten dafür, daß es fröhlich zuging und auch die Verwandten aus Mansfeld und Eisleben eingeladen wurden. Luthers Lieblingsbruder Jakob kam herüber und sogar zwei Vatersbrüder. Der Schulmeister mit den Sängern wurde bestellt, und während Frau Käthe buk, briet und kochte, kostete der Doktor die Weine im Keller. Er meinte: „Man soll den Gästen einen guten Trunk geben, daß sie fröhlich werden: denn wie die Schrift sagt, das Brot stärkt des Menschen Herz, der Wein aber macht ihn fröhlich.“ Es sollte überhaupt in christlicher Fröhlichkeit bei Hochzeit zugehen, nach dem Grundsatz: „Bei der Hochzeit soll man die Braut schmücken, soll essen, trinken, schön tanzen und sich darüber kein Gewissen machen, denn der Glaube und die Liebe läßt sich nicht austanzen noch aussitzen, so du züchtig und mäßig darinnen bist.“ Beim Hochzeitsschmaus selbst sorgte Luther für fröhliche Unterhaltung und allerlei Rätselaufgaben. So fragte er den „schwarzen Engländer“ (wahrscheinlich Robert Barns, der seit 1533 in Wittenberg studierte und zur Hochzeit geladen war): „Wie wollt Ihr Wein in einen Keller legen nicht eingeschroten und nicht eingefüllt?“ Der Engländer wußte es nicht; Luther aber sagte: „Man bringt Most hinein, so wird schon Wein daraus; das ist eine natürliche Magie und Kunststück.“ Weiter fragte er, welches die breiteten Wasser zu Lande wären? Antwort: „Der Schnee, Regen und Tau“[318].

Dem neuen Ehepaare legte aber Luther einen seinen Spruch der Alten ans Herz; der Braut: „Liebe Tochter, halte Dich also gegen Deinen Mann, daß er fröhlich wird, wie er auf dem Heimwege die Spitze des Hauses sieht.“ Und dem Bräutigam: „Es soll der Mann leben mit seinem Weibe, daß sie ihn nicht gerne siehet wegziehen und fröhlich wird, so er heimkommt“[319].

Diesen fröhlichen Tagen sind schwere Jahre vorausgegangen und gefolgt.

Schon 1535 war die Pest wieder in Wittenberg eingekehrt. Obwohl der Kurfürst Luther dringend mahnte, der Gefahr aus dem Wege zu gehen, meinte er doch, es sei nichts Rechtes an der Sache, er glaubte nicht daran und spottete darüber in seinem Brief an den Kurfürsten: sein „gewisser Wetterhahn“, der Landvoigt Hans Metzsch, hätte sonst mit seiner Spürnase schon die Pestilenz gespürt. Luther meinte, die Studenten hörten das Pestgeschrei gern, sie kriegten die Beule auf dem Schulsack, die Kolik in den Büchern, den Grind an den Federn, die Gicht am Papier; vielen sei die Tinte schimmlich geworden, oder sie hätten die Mutterbriefe gefressen und das Heimweh bekommen: da müßten die Eltern und die Obrigkeit eine starke Arznei wider solch Landsterben verschreiben. Der Teufel scheine Fastnacht mit solchem Schrecken zu halten oder Kirmes in der Hölle zu feiern mit solchen Larven. Die Sache ging auch bald vorüber[320].

Ernster wurde es aber 1537. Zu Lichtmeß dieses Jahres mußte Luther auf den Schmalkaldener Konvent. Er fuhr in eigenem Wagen mit Käthes Pferden. Käthe sah ihren Gatten nicht ohne Sorgen abreisen; denn er war nicht ganz wohl, das Wetter unwirtlich, die Wege schlecht, fremde Betten und Mahlzeiten und das ungewohnte Leben waren ihm nicht zuträglich, wie sie schon von früheren Reisen wußte. Er fühlte sich nirgends so wohl wie daheim, mit seinem gewohnten Essen und Trinken und Arbeiten. Luther erkältete sich denn auch zu Schmalkalden in seiner unbequemen Herberge in den feuchten „hessischen Betten“ und verdarb sich an dem schweren, festen Hofbrot den Magen. Sein Steinleiden stellte sich mit einer unerhörten Heftigkeit ein; über vierzehn Tage lang dauerte es und verursachte die rasendsten Schmerzen, so daß er sich den Tod wünschte und seine Umgebung seinen Tod voraussah. Die Fürstlichen Leibärzte wußten ihm nicht zu helfen und sie marterten ihn mit Roßkuren. Daher wollte Luther lieber daheim sterben und sich von seinem Weibe zu tot oder gesund pflegen lassen und ließ sich am 26. Februar aus Schmalkalden in kurfürstlichem Gefährt wegfahren gen Wittenberg[321].

Hier hatte Jonas zu Anfang mehrere Briefe von Luther aus Schmalkalden empfangen. Im ersten meldete er, daß er gleich nach seiner Ankunft einen Stein überstanden habe, sonst schrieb er aber vergnügt, und fünf Tage darauf, daß der Valentinstag ihn valentulum d.h. zum Rekonvaleszenten gemacht habe. Vier Briefe aber an Käthe waren nicht an sie gelangt: wahrscheinlich waren sie von den ängstlichen Freunden vorsorglicherweise zurückgehalten worden. Aber sie hatte doch Gerüchte gehört und nicht geruht, bis wenigstens Jonas mit der Nichte Luthers dem kranken Mann entgegenreiste. Frau Käthe erhielt erst später, als es wieder besser ging, folgenden Brief ihres Mannes aus Gotha[646]:

„Gnade und Friede in Christo!