Begreiflich, daß Frau Käthe den erstgebornen Sohn mit schwerem Herzen wieder in die Ferne entließ. „Wenn dir's übel gehen sollte, so komm nur heim“, hatte die Mutter in einer Anwandlung von Weh und Schwäche zu Hans gesagt. Es ging nun zwar Hans nicht schlecht in Crodels Hause, aber das Heimweh nach Lenchen und die Sehnsucht nach dem Vaterhause wurde übermächtig in ihm — es war ja gerade um die Weihnachtszeit. Er schrieb einen kläglichen Brief und berief sich auf die Rede der Mutter, er solle heimkehren, wenn's ihm übel ginge. Da schrieb Luther am 2. Christtag an den Präzeptor und den Sohn zwei Episteln, in denen er Hans zur männlichen Ueberwindung der weibischen Schwäche ermahnt. Der Brief an den Sohn lautet:
„Gnade und Friede im Herrn.
Mein lieber Sohn Hans. Ich und Deine Mutter und das ganze Haus sind gesund. Gieb Dir Mühe, daß Du Deine Thränen männlich besiegst und Deiner Mutter Schmerz und Sorge nicht noch mehrst, die so geneigt ist zu Sorge und Angst. Gehorche Gott, der Dir durch uns befohlen hat dort zu arbeiten, so wirst Du leicht dieser Schwäche vergessen. Die Mutter kann nicht schreiben und hat es auch nicht nötig geachtet; aber sie sagt, alles was sie Dir gesagt habe — nämlich Du solltest heimkehren, wenn es Dir übel ginge — habe sie von Krankheit gemeint; davon solltest Du, wenn es geschehe, gleich Kunde geben. Sonst will sie, daß Du diese Trauer lassest und fröhlich und ruhig studierest. Hiemit gehab Dich wohl im Herrn.
Dein Vater Martin Luther.“[351]
Der letzte Schmerz und Verlust, den Frau Käthe in diesem schicksalsschweren Jahre noch erlebte, war der Tod ihrer besten Freundin, der Frau Stiftspropst Katharina Jonas. Sie starb am Weihnachtstage 1542, eine frohe freundliche Kinderseele; so ging sie auch am Christfest hinein in den himmlischen Freudensaal zur ewigen Weihnacht.
Frau Käthe aber war's, als sei ihr ein Stück von ihrer Seele gestorben[352].
12. Kapitel
Tischgenossen und Tischreden.
„Unsere Herrin Käthe, die Erzköchin“, so nennt Luther seine Gattin in einem scherzhaften Einladungsbrief an Freund Jonas[353].
Und das war sie; sie kochte gern und gut und braute auch die entsprechenden Getränke dazu. Gelegenheit zu den manchfaltigsten Gastereien hatte aber kein Weib so sehr als Frau Käthe.