Gottes Gnad' und alles Gute!
Ehrbare, tugendsame Frau Doktorin!
Ich füge Euch zu wissen, daß wir nun, Gott gebe Gnad, bis gen Augsburg kommen sind und haben den Herrn Doctor zu Coburg gelassen, wie er ohn Zweifel Euch geschrieben hat. Ich hoff aber, in kurz bei ihm zu sein. Bitt Euch, Ihr wollet mir schreiben, wie es Euch geht und wie sich der Hauptmann Korns halber erzeiget hat. Womit ich Euch dienen kann, will ich mit allem Fleiß, wie ich mich schuldig erkenne, solches thun und ausrichten.
Beide Kanzler[459] grüßen Euch und wünschen altes Gute. Gott bewahre
Euch!
Datum Augsburg, Mittwoch nach Walpurgis. Philippus.
Herzog Georg von Sachsen soll morgen kommen. Der Kaiser ist noch ferne, kommt aber.
Liebe Gevatter! Auch ich wünsche Euch, Hänschen Luther und Magdalenchen und Muhme Lene viel selige Zeit. Pusset mir in meinem Namen meine liebsten Jungen.
J. Jonas.
Ich, Johann Agricola Eißleben, mein es auch gut, meine liebe Frau
Doktorin.“
Wie hier im Brief, so maßen sich an Käthes Tisch die Freunde an der theologischen Tafelrunde im Redewettkampf um den Preis des kürzesten Tischgebets. Da zeigt sich nun Luthers Sinnigkeit, Bugenhagens hausbackenes Behagen und Melanchthons zierliche Feinheit in den Sprüchen Luthers: Dominus Jesus sit potus et esus (der Herr Jesu sei Speis' und Trank); Pommer: „Dit und dat, träg und natt, gesegen uns Gad“; und Melanchthons: Benedictus benedicat (der Gesegnete segne)[460].