Dagegen verwahrt sich Luther gegen den Verdacht, daß er sich in theologischen oder kirchlichen Dingen durch seine Frau bestimmen lasse. Dennoch wurde das geglaubt und ihr namentlich ein schlimmer Einfluß zugetraut gegen gewisse Personen; so schreibt z.B. Kreuziger an Veit Dietrich, der Frau Käthe an sich nicht hold war: „Du weißt, daß er (Luther) zu vielem, was ihn entflammt, eine Fackel im Hause hat.“ Namentlich bei seinem Streit mit den Juristen glaubten die Wittenberger die persönliche Abneigung seiner Frau gegen gewisse Persönlichkeiten dahinter zu wittern[487].
In einer so kleinen Stadt und bei den oft so kleinlichen Reibereien der Gelehrten und ihrer Frauen, ist ein solcher Klatsch auch begreiflich, so grundlos er auch sein möchte. Wir haben darüber eine sehr lebhafte und anschauliche Schilderung eines Augenzeugen. Am Sonntag Estomihi (24. Februar) 1544 war bei Luther ein „Königreich“ mit dem üblichen Schmause. Außer Bugenhagen, Melanchthon, Röhrer, Major u.a. war auch der Schulmeister Crodel aus Torgau zu seiner großen Freude und Genugthuung eingeladen. Dieser, von einigen Wittenbergern dazu veranlaßt, brachte das Gespräch auf das „verleumderische Gerücht“, daß der Doktor „aus Eingebung und Antrieb seiner Gattin predige“. Mit großer Ernsthaftigkeit und Wärme wies Luther diesen Verdacht ab und sagte u.a.: „Solcherlei Worte, wie ich sie in dieser Sache (dem Streit mit den Juristen) vorbringe, fallen — ohne daß ich dem heiligen Geist eine Regel vorgeschrieben haben will — keinem Weiberkopf ein. Ich laß mich von meinem Weibe etwa leiten in Sachen des Haushaltes und Tisches, aber in Dingen des Gewissens und der Schrift erkenne ich keinen andern Lehrer und Doktor an, als den heiligen Geist.“ Ein wenig darauf, nach einer heftigen Rede, kam sein Weib her und fragte, was denn mit so großer Heftigkeit verhandelt werde. Er schloß mit den Worten zu Crodel: „Sage den Rechtsgelehrten, daß ich in dieser Sache nicht von meiner Frau geleitet werde; ich hebe es auf die Sache selbst und den Kern eines Gegenstandes ab ohne Rücksicht auf eine Person.“ Crodel war dieses Gespräch so wichtig, daß er's wörtlich seinem Freunde Ratzeberger schriftlich mitteilte, und es war auch bezeichnend genug: man mußte Luther wenig kennen, wenn man solchem Klatsch Glauben schenken wollte[488].
Es kommt auch jetzt noch vor, daß Luther seiner Käthe Briefe vorlas, auch in ihrer Gegenwart solche schrieb und daß sie ihm Aufträge dabei gab; auch ermunterte sie ihn, an die Freunde zu schreiben, wenn er säumig darinnen war. Freilich zu Stunden stiller Erholung, wie in den ersten Jahren ihrer Ehe, werden die Gatten in der späteren Zeit des großen Arbeitsdranges seltener mehr gekommen sein. Aber bei aller häuslichen Sorge und Thätigkeit in Garten und Feld ging Frau Käthe doch nicht völlig in ihrer wirtschaftlichen Thätigkeit auf. Sie war ihrem Manne in seinem Amt und Beruf, so viel das möglich und nötig war, doch die Gehilfin seines Lebens. Nicht nur in dem Sinne, daß sie ihm die Sorgen abnahm für Familie und Vermögen, sondern sie nimmt teil an seinem Wirken, an den zeitbewegenden Fragen[489].
„Lehrest Du also den Katechismum und den Glauben?“ schreibt der Doktor von Eisleben an seine „sorgfältige“ Hausfrau. Damit ist doch wohl ausgesprochen, daß Frau Käthe — mindestens in Abwesenheit des Doktors — mit Kindern und Gesinde den Katechismus trieb, wie Luther mit diesem Lehrbüchlein allen christlichen Eltern zumutete[490].
Luther giebt aber auch seiner Hausfrau Aufträge wegen des Druckes seiner
Schriften; ja sie hat mit darein zu reden und bestimmt ihn, was er
drucken lassen solle oder nicht. Von Marburg aus schreibt er über das
Religionsgespräch mit Zwingli, über das Abendmahl sogar mit lateinischen
Schlagwörtern[491].
Für diese Anteilnahme an ihres Gatten Arbeiten, Sorgen, wie an den großen Zeitfragen und Weltbegebenheiten, geben die Briefe vor allem Zeugnis, die er während seiner Abwesenheit bei Gelegenheit von Reichstagen an sie schrieb. So die von Koburg (S. 109-113). Insbesondere der letzte vom 24. September, „zuhanden Frauen Kathrin D. Lutherin zu Wittenberg.“
Gnade und Friede in Christo!
Meine liebe Käthe! Gestern hab ich Dir geschrieben und einen Brief in gnädigsten Herrn mitgeschickt, daraus Du vernehmen kannst, wie die Unsern von Augsburg wollen auf sein. Darnach hoff ich, wo Gott Gnade giebt, wollen wir in vierzehn Tagen bei Euch daheim sein. Wiewohl ich achte, unsere Sache werde nicht gar unverdammt bleiben. Da liegt auch nicht Macht an. Doch hat der Rietesel anhero geschrieben, er hoffe, man werde in Augsburg mit Frieden abscheiden in allen Gassen. Das gebe Gott und wäre eine große Gnade. So bedürfen wir's alle wohl, weil der Türke so an uns will. Weiteres wirst Du wohl von Hornungen hören. Hiemit seid Gott alle befohlen.
Sonnabends nach Matthäi, 1530. Martinus LutheR.“[492]
Zehn Jahre nachher, als der Reichstag und Konvent in Hagenau stattfand, schreibt Luther am 10. Juli 1540 von Eisenach seiner „lieben Hausfrauen, Frauen Kathrin Luderin zu Wittenberg“ u.a.: „… Bittet mit Fleiß, wie ihr schuldig seid, für unsern Herrn Christum, d.i. für uns alle, die an ihn glauben, wider den Schwarm der Teufel, so jetzt zu Hagenau toben wider den Herrn und seinen Gesalbten (Ps. 2).“ (S.o.S. 130 f.)[493].