So redete Luther auch in den letzten Jahren mit seiner Hausfrau über die politische Lage, namentlich die hinterlistige Politik des Herzogs Moriz. „Liebe Käthe“, erklärte er da, „deine Landsleute haben mit meines gnädigsten Herrn Räten eine Hundskette gemacht und werden nicht eher nachlassen, sie haben ihn denn verraten.“[494]
Es ist naturgemäß und begreiflich, daß wir von Frau Katharinas Wesen, Wirken und Bedeutung so wenig direkte Zeugnisse besitzen. Denn sie selbst hat nicht gerade viel geschrieben und ihre Briefe sind fast alle verloren gegangen, während sie selbst ihres Doktors Briefe sorgfältig aufbewahrt hat; ferner interessierten sich die Hausgenossen und Zeitgenossen selbstverständlich fast nur für den großen Mann, der die Welt bewegt hatte. Seine Gestalt überstrahlte die Hausfrau völlig. Nur im Reflex von Luthers Briefen und Tischgesprächen, selten in Bemerkungen seiner Bewunderer, finden wir Züge, die ihr Charakterbild darstellen.
Daß aber demnach Frau Katharina neben dem Reformator eine selbständige Stellung und Geltung behauptete, beweist der Umstand, daß die Freunde und Luther selbst sie nicht nur respektvoll die „Domina“ und Doktorin, mit lateinischen und griechischen Worten nannten, sondern auch von der verheirateten Frau noch den Namen „Katharina von Bora“ gebrauchten.
Was hielt nun Luther von seiner Frau?
Da giebt es drei wichtige Zeugnisse, die Luther seiner Gattin ausstellt, am Anfang, in der Mitte und am Ende seiner Ehe, nicht etwa bloß gelegentliche Aeußerungen guter oder schlechter Laune, sondern überlegte und feierliche Anerkennung ihrer Vortrefflichkeit als Hausfrau und Ehefrau.
Im zweiten Jahre seines Ehestands (1526) schreibt er an Stiefel: „Sie ist mir willfährig und in allen Dingen gehorsam und gefällig, viel mehr, als ich zu hoffen gewagt hatte (Gott sei Dank!), so daß ich meine Armut nicht mit den Schätzen des Krösus tauschen möchte.“[495]
Elf Jahre darauf, bei seinem tödlichen Krankheitsanfall auf der Reise von Schmalkalden, diktierte Luther in Gotha sein Testament, worin es heißt: „Tröstet meine Käthe, daß sie dies trage dafür, daß sie zwölf Jahre mit mir froh gelebt hat. Sie selbst hat mir gedient nicht allein wie eine Gattin, sondern auch wie eine Magd. Gott vergelt es ihr! Ihr aber sollt für sie sorgen und ihre Kinder, wie sich's geziemt“ Und dann sagte er: „Ich habe meine Käthe lieb, ja ich hab sie lieber denn mich selber, das ist gewißlich wahr; ich wollt lieber sterben, denn daß sie und die Kinderlein sterben sollten.“[496]
Endlich schreibt Luther in seinem letzten und endgiltigen Testament i.J. 1542. „Ich M.D.L. bekenne mit dieser meiner eigenen Handschrift, daß ich meiner lieben und treuen Hausfrauen gegeben habe zum Leibgeding Gut, Haus und Kleinode. Das thue ich darum, daß sie mich als ein fromm (brav), treu ehelich Gemahl allezeit lieb, wert und schön gehalten hat.“[497]
Und was so Luther in feierlichen Stunden bezeugte, das hat er wiederholt sonst vor seinen Tischgenossen und Freunden bekannt. Sein langjähriger Hausgenosse Hieronymus Weller schreibt in seinen Erinnerungen: „Ich erinnere mich, wie der hochw. Mann oft sagte: er preise sich von Herzen glücklich, daß ihm Gott eine so folgsame, bescheidene und kluge Gemahlin geschenkt, welche so ausgezeichnet für seine Gesundheit sorge und eintreten könne und sich so geschickt seinem Wesen anzupassen und seine Fehler und Unannehmlichkeiten mit so stillem Gemüte zu tragen wisse. Denn er könne bei seinen vielen Arbeiten, Beschäftigungen und Anfechtungen nicht immer seinem Wohlbefinden Rechnung tragen.“[498]
Das Verhältnis zwischen Käthe und Luther war das der achtungsvollen Verehrung; das entsprach einmal der Anschauung des Mittelalters von der Herrschaftsstellung des Mannes zum Weibe; anderseits rührte es davon her, daß die fünfzehn Jahre jüngere Frau zu dem älteren, durch Gelehrsamkeit und hohes Ansehen ehrwürdigen Mann mit einer gewissen Pietät hinaufschaute. Daher redet er sie zwar immer mit „Du“ an, sie aber spricht zu ihm immer mit „Ihr“ und nennt ihn „Herr Doktor“. Das fand auch Luther selbstverständlich. Als einmal von einem Manne die Rede war, welcher an eine reiche Frau seine Freiheit verkauft hatte, sagte er: „Ich hab's auch gern, wenn mir meine Käthe übers Maul fährt — nur daß ich sie nicht viel dran lasse gewinnen als ein Maulschellium.“[499] Und ein andermal: „Sie hat allein die ganze Herrschaft in ihrer Hand. Ich gestehe ihr auch gerne das ganze Hausregiment zu; aber mein Recht wollte ich mir unversehrt erhalten und Weiberregiment hat nie nichts Gutes ausgerichtet.“ Luther war seinem ganzen Wesen, aber auch seiner Anschauung und seinen biblischen Grundsätzen nach nicht der Mann, seine eheherrlichen Rechte sich verkürzen zu lassen: einen Freund, der ihm die Tyrannei seines Weibes klagt, verweist er tadelnd darauf, daß man das Ansehen des Mannes nicht dürfe mit Füßen treten lassen. So führte er auch auf Hans Luffts Tochter Hochzeit die Braut zum Lager und sprach zum Bräutigam (dem Arzt M. Andreas Aurifaber): „Er soll's bei dem gemeinen Lauf bleiben lassen und Herr im Hause sein (wenn die Frau nicht daheim ist, setzte er scherzend hinzu). Und zum Zeichen zog er ihm einen Schuh aus und legte ihn aufs Himmelbett, daß er die Herrschaft und das Regiment behielte[500].