Da sahen die Hirten das Kind, Christus, den Heiland, wie der Engel es ihnen verkündet hatte. Und sie legten ihre Lämmer vor ihm nieder und neigten sich bis zur Erde. Das Kind sah sie an und berührte auch die Lämmer. Es segnete die Hirten, segnete ihr schweres, arbeitsreiches Leben.

Und die Hirten gingen zurück zu ihrer Herde. Und ihre Hunde liefen hinter ihnen her.

Und die Hirten sangen, wie sie es von den Engeln gehört hatten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!“

Da kamen ihnen Wölfe entgegen. Aber die Wölfe hatten die Schafe nicht angerührt, — ein Engel hütete ihre Schafe! Die Wölfe gingen nach der Erdhütte und wichen den Hirten aus!

Auch die wilden Tiere hatten erkannt, daß der Heiland der Welt geboren war.

Weit drüben aber, hinter Feuer und Rauch, hinter Wäldern und breiten Strömen, hinter dem faulen Sumpf am Eismeer, am Ozean, wo der Wind die blauen Eiszacken bis zum Himmel emportreibt, in dem kalten, düstern Land der Zauberer dröhnte und klirrte mitten in der Nacht das Tamburin. Und drei weise lappländische Zauberer und Könige sahen am Himmel den Stern Christi. Sie erkannten ihn wohl, denn ihr Lebenlang hatten die Weisen seiner geharrt und den Tag seines Erscheinens auszurechnen versucht. Und sie nahmen ihre Geschenke und gingen ohne Knechte und ohne Renntiere dem Sterne mit dem Schweif nach.

Und der Stern Christi führte die Zauberer in die Stadt Jerusalem.

2.

Viel Volks war zur Schätzung nach Bethlehem gekommen, doch viel mehr noch nach Jerusalem. Das Stadttor blieb die ganze Nacht offen. Und in den Straßen war ein Lärm, wie zur Messe.

Am frühen Morgen nach der Geburt des Heilandes zeigten sich zwei Wanderer auf der Straße von Bethlehem nach Jerusalem. Es waren keine gewöhnlichen Wanderer: es waren ein Rößlein und ein Öchslein.