Und das Geschrei und Geheul und die Flüche der wahnsinnigen Mütter eilten den Abziehenden nach.
Und weit über das Weichbild Bethlehems hinaus hörte man Weinen und Flüche auf allen Straßen.
Ein steinernes Herz muß erbeben beim Wehklagen einer verzweifelten Mutter!
Das Pferdchen schnaubte. Joseph stieg vom Schlitten herunter und horchte. Die Erde selbst schien dem Alten zu schreien.
Und Joseph gedachte der Worte der Gottesmutter und verstand sie, die der Erde eine große Freude und einen bittern Schmerz verheißen hatten.
„Ich sehe zwei Männer, Großväterchen: der eine Mann lacht, und ich freue mich mit ihm, — ihm wird ein großes Glück zuteil werden. Der andre aber weint, und ich traure mit ihm, denn ihm wird großes Leid widerfahren.“
König Herodes aber, der die ganze lange Nacht schlaflos in Unruhe verbracht hatte, ging, als der weiße Tag gekommen war, in seinem öden Palast umher und kniff die ängstlichen Augen zusammen und lachte plötzlich laut auf, vor Freude, daß er das Christkind aus der Welt geschafft hatte . . .
Die Leiden der heiligen Jungfrau
1.
Als sie den Purpur von seinen Schultern gerissen und ihn in seinem ärmlichen Gewand auf die Gasse geführt hatten, als er unter dem Geschrei und Pfeifen der erregten Menge nach der Schädelstätte getrieben ward, — da wußte alle Kreatur davon: es wußte es der Wald, wo der Dornstrauch stand; es wußte es das Meer, wo der Schwamm wuchs; es wußten es die Tiere und der Weingarten, die Berge und das Feuer, das die Nägel und den Speer geschmiedet hatte. Nur die heilige Jungfrau wußte es nicht.