Und sein Haupt senkte sich auf die Brust.

Und am andern Ende der Stadt Jerusalem, im Garten der Magdalena, hing an seinem Ledergürtel bis tief zur Erde herab Judas, der den Herrn verraten hatte. Die verzweifelten weißen Augen ohne Lider blickten aus ihren dunkeln Höhlen auf die schwere Erde und sein Mund war voll Erde.

Das Herz der unglücklichen Mutter ward entzweigerissen. Es schmolz, wie rote Kohlen, es glühte und brannte.

Schon schwebte ein Rabe über dem Kreuz.

Wie schmelzendes Pech glänzten die Rabenfedern, wie helle Wachskerzen brannten die starren Rabenaugen.

Dumpf und traurig sprach die heilige Jungfrau:

„War es denn eine Unglücksnacht, in der du geboren wardst, du mein Herr und mein Sohn, Jesus?! Du Unsterblicher, der die Toten auferweckte! Und nun sehe ich, daß der unerbittliche Tod auch dich rauben will! Du konntest ihm nicht entgehn! O mein geliebter Sohn, o mein Jesus, um wen mußt du leiden, für wen nimmst du den Tod auf dich? An das Holz sind deine Hände geschlagen, deine Zunge ist stumm!“

Jesus hob sein heiliges Haupt und sprach zu seiner Mutter:

„Weine nicht um mich, Maria, meine Mutter, habe Geduld. Die Seele verläßt den Leib, ich will meinen Geist dem Vater befehlen. Ich gebe dir den Johannes an meiner Statt, sei du ihm Mutter, er wird dein Sohn sein.“

Bitter sprach die heilige Jungfrau: