Und alle diese Sünden wollte er auf sich nehmen.

Die Schächer, die rechts und links vom Heiland an ihren Kreuzen hingen, konnten die Qual nicht länger ertragen, und weil sie auf keine Rettung mehr hofften, machten sie sich in Schmähreden Luft und schalten den Gottessohn einen Betrüger.

Am Fuße des Kreuzes aber, vor dem mit Christi Blut besprengten Haupt Adams, klirrten schon die Folterwerkzeuge: Schwerter, Messer, Sägen, Sicheln, Pfeile, Äxte. Die furchtbaren, unbarmherzigen Engel rissen die Glieder des gemarterten Leibes auseinander, hackten die Beine ab, dann die

Arme, machten sie wieder lebendig, um sie von neuem ans Kreuz zu nageln, rissen das festgeklebte geronnene Blut von den Wunden und leckten die blutigen Schwären mit salzigen Zungen.

Die Dämonen rollten die schwarzen Pergamente zusammen. Und einer von ihnen, ein Teufel mit Gänsefüßen und einem Schweinsleib ohne Borsten, kletterte am Kreuzesstamm hinauf bis dicht vor das Antlitz Christi und hielt ihm eine große Schale hin, gefüllt mit Bitternis bis zum Rand.

Und Christus trank die Schale leer bis auf den letzten Tropfen und schrie: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“

Da erhob sich auf den Ruf des Verlassenen, der der Welt Sünde auf sich genommen hatte, von seinem Wolkenthron im Norden um die neunte Stunde Satan, der Fürst der Finsternis. Und sein schwarzmähniges Roß trug ihn, wie ein Falke, wie der Sturm, wie der Donner, wie der Blitz, zum Kreuz des Gottessohnes.

Auf flogen die Winde, wie Adler, hoch wirbelten sie den Staub auf den Straßen empor. Die Berge erbebten. Aufgewühlt wurden die Tiefen der Erde. Gewaltig wogte und brauste das Meer. Weit aus ihren Ufern traten die Ströme. Und in der Glut der Höllenflamme rollte der Himmel sich zusammen, wie ein Pergamentblatt. Und die Erde wallte und brannte, wie Eisen im Schmelzkessel.

„Freue dich, König der Juden!“ sprach Satan und trat vor das Kreuz hin.

Satan stand vor dem Kreuz und sah Christus an, und vom Kreuz, die schweren Lider mühsam hebend, blickte Christus auf Satan.