So blickten sie sich an, wie König und Sklave, wie Bruder und Feind, wie König und König, wie Bruder und Bruder, wie Feind und Feind, wie der Retter und der Verlassene. Und alle Kreatur sank nieder in bebendem Entsetzen in dieser Stunde des Grauens.

Und mit schnellen Schritten kam vom blauen Meer, aus unbekanntem Land, über weite Felder, über grünes Gras, über verwehende Spuren, über wogende Saaten ein schöner Jüngling — der sanfte Tod.

Ohne viel zu fragen, schob er das Eisengitter auseinander. Festen Schrittes stieg er den Hügel von Golgatha hinauf und trat vor den Gekreuzigten.

Leise nahm er das Haupt Christi in seine Arme.

Und Christus neigte das Haupt und verschied.

2.

Abends kam zu Pilatus ein reicher Mann aus Arimathia, namens Joseph, und mit ihm Nikodemus, die beide heimliche Jünger Christi gewesen waren, und baten Pilatus, er möge ihnen den Leib Christi überlassen.

Und Pilatus gestattete es ihnen.

Sie nahmen den Leichnam Christi und hüllten ihn in reine, wohlriechende Tücher, und legten ihn im Garten in ein neues Grab. Dann wälzten sie einen Stein vor des Grabes Tür und gingen von dannen.

Und als die letzten Menschenschritte verklungen waren und die Kriegsknechte, die den Schächern die Knie gebrochen hatten, Golgatha verlassen hatten, und die Toten, die aus ihren Gräbern auferstanden waren, sich in den Straßen der Stadt verloren hatten, um die schlaflose Nacht mit Grauen zu erfüllen — da erhob sich ein wilder Lärm, Geschrei, Gestampf, Geheul, als wäre die ganze Welt toll geworden. Und der Garten, da der Leib Christi bestattet war, ward zum höllischen Abgrund, denn Satan selbst, der Fürst der Finsternis, hielt sich hier auf mit all seinen Heerscharen.