Mit höllischen Künsten blendete Satan die Augen der Menschen und aller Lebewesen, hüllte die Seelen in die Nacht des Wahnsinns, senkte sie in einen teuflischen Zauberschlaf, und der finstere Teufelszauber hielt die Welt zwei Tage und
zwei Nächte gefangen und betörte sie mit grauenhaften höllischen Gesichten und Versuchungen.
Die Teufel stürzten sich auf den Leichnam Christi, rissen die Tücher herunter, zerteilten den reinen heiligen Leib: das Fleisch gaben sie der Erde, das Blut dem Feuer, die Knochen dem Stein, den Atem dem Wind, die Augen den Blumen, die Adern dem Gras, die Gedanken den Wolken, den Schweiß dem Tau, die Tränen dem salzigen Meer.
Es wogte und brauste das Meer von bösen Geistern. Wild wirbelten die Dämonen durcheinander, stießen sich, schrien, spotteten, grinsten und fluchten. Aus allen Tiefen waren sie emporgestiegen, liefen sie, hüpften sie, krochen sie, wälzten sie sich heran — schmutzig und übelriechend, krummbeinig und bucklig, dickbäuchig und spindeldürr. Und sie traten den Leichnam des Heilands mit den Füßen, zerrten ihn hin und her, beschmutzten und schändeten ihn . . .
Und um Mitternacht tat sich der Himmel auf und über der Erde stieg eine strahlende Sonne empor, wie die Welt sie noch nie gesehn hatte.
Die Dämonen zerrten den Leib Christi aus dem neuen Grabe und hüllten ihn in köstliche königliche Gewänder und trugen ihn auf den höchsten Berg und setzten ihn auf einen Königsthron.
Und vor den Thron stellte sich Satan hin und zeigte den Völkern der Erde — allen, die schon gelebt hatten, und allen, die noch kommen sollten — den Leichnam im königlichen Purpur und verkündete mit lauter Stimme:
„Sehet, das ist euer König!“
Und von der Höhe des Thrones blickten auf die wogende Menge von Köpfen, auf die flehend ausgestreckten Arme die großen bleiernen Augen des entseelten, verunstalteten Leichnams. Und im grellen Licht des plötzlich aufgegangenen Tages glaubte man sehen zu können, wie unter dem königlichen Gewand die starren Glieder auseinanderzufallen begannen.
Verzweiflung lastete über dem Weltall. Und das Maß der ganzen Erde schien nicht größer als vier Schritte — so lang, wie ein Grab sein muß.