Aber diesem Traum sollte keine Erfüllung werden.

Und doch war es eine bewegte Zeit und vieles wäre von der Bergeshöhe aus dem Turmfenster zu sehen gewesen.

Nicht eine einzelne Stadt, nicht ein einzelnes Dorf, — das ganze Land von Meer zu Meer war von einem wahnsinnigen Wunsche beherrscht.

Alle Sehnsüchte, Triebe und Wünsche eines schweren, trüben, qualvollen Alltags verflochten sich ineinander und wuchsen zu einer grausigen Geißel aus, und orkangleich schwang sich diese Geißel, schwer und blind, von Meer zu Meer, auf alles Schreien und Rufen mit dem einen wilden Schrei antwortend:

„Freiheit!“

„Wißt ihr denn, was Freiheit ist?“ fragte augenzwinkernd der einsame alte Juwelier, der hundert Jahre gelebt und in seinem Herzen Generationen zu Grabe getragen hatte.

Ein Menschenleben galt nichts mehr. Man spie es aus und trat mit dem Fuße darauf.

Man tötete die Menschen wie Flöhe. Man lauerte ihnen auf, fing sie und vernichtete sie sofort, wie man ein Ungeziefer auf dem Fingernagel zerdrückt.

Aus Barmherzigkeit trieb man die Verurteilten vom Schafott ins Gefängnis. Gnade war es, wenn man einem das Leben schenkte, damit er es in ewiger Kerkerhaft vollende.

Nie bisher war der Mensch so mißtrauisch gegen seinen Nächsten gewesen. Wenn zwei Freunde sich begegneten und einer dem andern die Rechte drückte, fühlte die Linke schon ängstlich nach dem Messer in der Tasche.