Da in den letzten Tagen von den allmächtigen Günstlingen des Herrschers, in deren Gewalt Städte und Provinzen, Leben und Tod des Volkes waren, zahllose Schandtaten begangen waren, so wurden derartige vornehme Geleitzüge stets von bösen Blicken verfolgt, und nicht immer nahm die Fahrt ein gutes Ende.

Aber der Juwelier war ein schlichter Mann. Ihm hatte niemand das Recht zu strafen und zu begnadigen verliehen; ihm war nur der Befehl geworden, die goldene Krone zu putzen, in der nach der Sitte des Landes die Könige vor das Volk traten, wenn sie, was selten genug geschah, dem Volke Regierungsbeschlüsse von außerordentlicher Wichtigkeit zu verkündigen hatten.

Wem anders als ihm, dem alten erfahrenen Manne, der es so gut verstand, seine scharfe Zunge im Zaum zu halten, konnte man die furchtbare, durch ihren Glanz blendende Krone anvertrauen?

Scherzend und kichernd stieg der Juwelier die goldene

Schloßtreppe empor, schloß sich in dem Saal ein, den man ihm angewiesen, und machte sich an die Arbeit.

Hier bot sich eine seltene Gelegenheit, Dinge zu sehen, die der Alte bisher höchstens hatte ahnen können.

So manchen Wunders Zeuge war er gewesen, mehr als einmal hatte das rasende Volk seine angestammten Herrscher gleich Taschendieben und Einbrechern davongejagt, aber immer war in solchen Fällen eine neue Krone für einen neuen Herrscher aufgetaucht, und der Alte wurde gerufen, sie in Stand zu setzen und zu flicken. Noch nie aber war aus den verstaubten Speichern des königlichen Schlosses ein so wunderbares Kunstwerk in seine Hände gekommen, von dem man kaum glauben konnte, daß es von Menschen geschaffen sei.

Wahrlich, der morgende große Tag barg Unerhörtes in seinem Schoße.

Mit größter Sorgfalt, zitternd, wie über einem Heiligtum, dem jeden Augenblick der eifersüchtige böse Feind etwas antun kann, nahm er die Steine aus der goldenen, mit Schmutz- und Lehmflecken bedeckten Krone, und, kaum sichtbar in dem Riesensaale, die dürren Schultern in ein zerfetztes wollenes Umschlagtuch gehüllt, wie es die Weiber tragen, fuhr er mit den langen dünnen Fingern über die Juwelen.

Er spielte mit dem Schatze — mit den märchenhaften Achaten, mit leuchtend blauen und blutroten und schwarzen Steinen, mit Frühling atmenden Türkisen; er drehte sie hin und her, er warf sie hin, er sog ihren Duft ein, als wären sie lebende Gewächse, er legte sie auf die gewandte Schlangenzunge, ließ sie über seine feinfühlende Handfläche rollen, stellte sie in Reihen auf, häufte sie aufeinander und bebte wollüstig im grünen, roten, blauen und schwarzen Schimmer.