Der Alte ging die goldene Treppe hinab, durch die Reihen dienernder Hofleute, begleitet von einem schmeichlerischen Lächeln, hinter dem sich schamlose Roheit verbarg und das bange Zittern kleinlicher Sklavenseelen.

3.

Mitternacht war längst vorüber. Der neue Tag der Freiheit erwachte.

Der Freiheitstrieb, der so wahnwitzig, so schmerzvoll vorwärts gedrängt hatte, war stumpf geworden, und die wildrasende Geißel, blind und schwer, flog nicht mehr, schlug nicht mehr. Der Wunsch, von dem königlichen Versprechen betäubt, trieb die Menge auf die Straßen hinaus, drängte sie auf den Märkten zusammen, schmiedete alt und jung aneinander.

Und mit mißtrauisch schielenden Blicken gingen die tausendmal betrogenen Massen, finster, eng aneinandergedrängt, vorwärts, ohne zu wissen wohin, dumpfe Verzweiflung im Herzen.

Der Alte saß in seinem Keller, die dürren Schultern in sein wollenes zerfetztes Umschlagtuch wickelnd, und sah vor sich hin, und seine winzigen Äuglein wurden groß wie Teller.

Und in seinen entsetzten Augen glühte das Grauen, Angst und Hohn.

Am Kellerfenster aber zogen Tausende von Füßen vorüber, unsicher, wie trunken, trunken von Verzweiflung.

Und der Alte rieb sich die Hände und krümmte sich, wie ein Gepfählter, beim Gedanken an die heute geschenkte Freiheit.

Und er, der einmal aus der Tiefe der menschlichen Lebensmöglichkeiten das ganze Leben hervorgeholt hatte, der einmal dem ersten und dem letzten Tage ins Auge geschaut hatte, — er lachte und warf Spott- und Scherzworte in die freie Menge.