Und über der freien Stadt und dem freien Lande stieg die freie Morgendämmerung auf, und immer röter flammte ihr Schein, um blutig und wehvoll einem Zeitalter den Abschied zu geben . . .

Maka

1.

Sascha ist im April drei Jahre alt geworden. Seit drei Jahren ist sie die Herrin des alten berühmten Schlosses von Sadory und des ganzen Olenowschen Landes mit der weiten Steppe, den Feldern, Wiesen und Wäldern bis zu Großmutters Kirschgarten in Gajewo, den Sascha auch zu ihrem Besitz zählt.

Drei Jahre brennt nun nach langer Zeit wieder Licht in dem einen Schloßturm, und tagsüber hallt der Garten wider von einer hellen Kinderstimme; abends aber guckt aus dem Turmfenster ein Mädchenköpfchen unter einer roten, goldgestickten Mütze heraus. Und alle, Groß und Klein, die Großmutter Euphrosyne Iwanowna, und der Onkel Andrej, und Tante Wera und Tante Lena, und die Wärterin Halka und das ganze Gesinde mit der Haushälterin Nadeshda, der Kuhmagd Fedoßja, der alten Zofe Polja und den jungen Tagelöhnerinnen Marja, Warwara, Fima und Katharina, und der Kutscher David und der Nachtwächter Taras und der Landmesser Becker, und der Gutsnachbar Bruch und dessen Tochter Manja und ihr Lehrer, der Student Michail Petrowitsch, und der Pfarrer, Vater Eutychios nebst dem ganzen Klerus, und der alte Jagdhund Kadoschka und die beiden Hofhunde Butzik und Mischka und das kleine Hündchen Dranka und endlich die Ziege Maschka, — mit einem Wort alle Bewohner des Schlosses und alle Nachbarn meilenweit herum bis zur Eisenbahn haben das Mädelchen als ihre Königin anerkannt und fügen sich demütig ihren Launen.

Einzig und allein die Tante Tatjana Afanasjewna, die in ihrem Stolz und Eigensinn keinen Willen über dem ihren gelten läßt außer dem Gottes und des Zaren, widersetzte sich lange Zeit, zuletzt aber gab auch sie nach, und zu

Weihnachten hat sie Sascha einen goldenen alten Löffel geschenkt.

Und Sascha hütete dieses Spielzeug mit aller Sorgfalt. Sie verwahrte es ganz hinten in ihrem roten Schränkchen, wo es von dem kahlköpfigen Trommelhasen und zwei vom letzten Christbaum übrig gebliebenen goldenen Nüssen treulich bewacht wurde. Und Sascha sorgte für ihren kostbaren Schatz, so gut sie irgend konnte: sie badete den Löffel in ihrer kleinen Wanne zusammen mit den zwei glatten Steinen, dem schwarzen und weißen; und mit dem Kamel, dem grünen Aufziehfrosch, dem Radfahrer, dem Brummkreisel und den drei Puppen: der Katja mit dem Loch im Kopf, der armlosen Alexejewna, und der am heißesten geliebten Wera, die aus Lappen genäht war und überhaupt keinen Kopf mehr besaß, — warf sie den Löffel zum Fenster hinaus, damit die Ziege Maschka auch ein bißchen mit all den schönen Sachen spielen könne, wie sie auch Tantens klirrende Schlüssel zu den vielen, mit allerlei köstlichen Dingen vollgestopften Kisten und Truhen immer hinauswarf, damit sie sich draußen am schönen grünen Grase satt essen und etwas frische Luft schnappen.

In Saschas rotem Schränkchen gibt es unzählige kostbare Dinge. Von oben bis unten ist er vollgepfropft.

Wenn man Sascha fragt: „Wie liebst du?“ drückt sie gleich irgendeinen Teddy-Bären an ihr Herz oder den Springhasen, der keine Ohren mehr und nur noch zwei Beine hat, und sagt: