Sascha hat ganz kleine Hände, wie Mama und Großmama, und Nägel wie Perlen, und da ist nun wieder ein Unglück: der Daumen an der rechten Hand ist auch ungezogen: immer
muß er in Saschas Mund stecken, und Sascha saugt an ihm, wie ein Bär. Man versuchte es ihr durch allerlei Kunstgriffe abzugewöhnen, bestrich den Finger mit Senf und mit Chinin. Aber es half alles nichts: Sascha leckt den Finger ab, spuckt aus, und dann ist der Daumen gleich wieder im Mund.
Man holte den Mohren, glaubte, er würde sie zur Raison bringen, — aber es kam ganz anders. Es erwies sich, daß der Mohr auch lutschte und zwar mit Hochgenuß, denn — so erklärte Sascha — „der Daumen schmeckt noch viel schöner als Schokolade.“
Was war da zu machen? Nichts war zu machen. Es blieb nichts übrig, als die Indianer zu holen. Diese Indianer überfallen jene Buben und Mädel, die allein in den Garten schleichen und dort Erdbeeren mit Milch essen. Und solange die Indianer drohten, lutschte Sascha nicht am Fingerlein. Aber es verging einige Zeit, die Indianer verschwanden, es tauchte irgendein Zauberer auf, oder der Ägypter oder der Grüne Kater aus dem Theater, die Gefahr war vorüber — und Sascha machte sich von neuem an ihren Finger. Der Zupfer und der Lutscher sind eine wahre Plage. Und wie lustig Sascha ist, — so ganz ohne jeden Grund, bloß weil sie nicht anders kann. Und wenn sie lächelt, dann gibt ein dunkles Leberfleckchen über der Oberlippe dem Lächeln etwas ganz besonders Liebliches. Man möchte es immer nur anschauen und küssen, dieses Fleckchen, das an heißen Tagen immer etwas feucht ist.
„Sascha, ich fresse dich auf!“
„Was?“
„Ich fresse dich auf, weil . . . was soll ich denn mit mir anfangen, du bist so.“
„Makig?“ — und der kleine Mund mit den spitzen Zähnchen lächelt wieder.
„Grad so ein Leberfleckchen“, sagte Tatjana Afanasjewna und sah ihre schelmisch lächelnde Urgroßnichte scharf an,
„hatte die Großtante Elisabeth Michailowna. Die verstorbene Gräfin Lydia Petrowna aber legte an dieser Stelle eine Mouche auf, — das bedeutete Leichtsinn. So ist sie auch gestorben.“