Bilder besehen macht Sascha immer Spaß. Sämtliche Jahrgänge der „Niwa“ sind schon durchgeschmökert. Jedes Bild wird in Zusammenhang mit dem Leben auf dem Schlosse gebracht, und wenn das garnicht angeht, so werden neue Geschichten geschaffen, die sich ebenfalls auf dem Schlosse abgespielt haben, und bloß nicht im Gedächtnis der Schloßbewohner haften geblieben sind.
Und immer muß Sascha fragen. Und wenn sie auch alle Fragen selbst auf ihre Weise beantwortet, so überschüttet sie doch jeden, der in ihre Nähe kommt, mit Fragen ohne Zahl. Wenn ein Lied gesungen wird, ein Märchen erzählt, oder überhaupt nur von irgendetwas gesprochen, dann kann man auf die Fragen gefaßt sein:
„Warum ist Herbst? Warum muß man essen? Warum muß man gesund sein? Warum muß man beten?“
Und das nimmt kein Ende.
Sascha kennt die russischen Dichter. Sie zeigt Puschkins Bild und nennt ihn Putzekin. Lermontow kann sie auch richtig zeigen, aber seinen Namen vermag sie nicht auszusprechen.
Wenn das Lesen und Bilderbesehen und Fragen erledigt ist, setzt sich Sascha an Tantens Klavier, läßt sich Noten aufs Pult legen und fängt an zu spielen. Die Notenblätter müssen umgewendet werden, die Hefte gewechselt, sonst wird Sascha sehr böse.
Sie wird überhaupt sehr leicht böse, sie ist grimmiger als der alte Landmesser Becker, den die Leute im Dorfe den Feuerspeier nennen.
So geht der Tag hin, man merkt es gar nicht, wie. Der
Abend kommt heran. Nun geht man noch spazieren. Tante Lena, Manja und Sascha spazieren ins Feld hinaus.
Im Schlosse wird es still. Tante und Großmama spielen Schwarzen Peter, im Garten oder in der Küche wird Fruchtsaft gekocht, dafür sorgt Tante Wera.