Sadory war von je durch seine Gastfreundlichkeit berühmt. Seit aber Sascha da ist, ist dieser Ruf noch gewachsen. Nicht nur Kadoschka, — jeden, der ihr in den Weg kommt, muß sie füttern und tränken, ob er will oder nicht. Sie stopft es ihm einfach mit Gewalt hinein: iß und trink, bis du platzest. Und da hilft kein Weigern und Sträuben.
Sascha will alles selbst mit ihren eigenen Händen tun. Sie hat einen eigenen kleinen Besen aus Steppengras, damit fegt sie jeden Morgen die Stube. Der Besen macht mehr Staub, als daß er den Staub wegschaffte, — aber wieviel Mühe macht sich Sascha dabei! Unter jedes Bett kriecht sie, vor jedem Sofa bückt sie sich mindestens zehnmal.
Ordnung muß eben sein.
Nach dem Essen spielt Sascha mit Manja „Stöckchen gib acht!“, Versteck und Kuchenbacken.
„Stöckchen gib acht!“ wird so gespielt: man holt sich irgendwo aus einem alten Lattenzaun ein Stöckchen, stellt es senkrecht auf den Zeigefinger, sagt: „Stöckchen gib acht! Wieviel Stunden sind’s noch bis Mitternacht?“ und zählt dann, bis das Stöckchen vom Finger heruntergefallen ist. Bei welcher Zahl das geschieht, so viel Stunden sind’s noch bis Mitternacht.
Sascha bringt es immer zu sehr hohen Zahlen, denn sie zählt auf ihre besondere Art. Eins, zwei, drei, zehn, zwanzig, zehn, hundert. Außerdem mogelt Sascha: mit dem Daumen, dem Lutscher, stützt sie das Stöckchen heimlich.
Wie man Versteck spielt, weiß jeder. Verstecken kann man sich überall: im Kuhstall und in Drankas Hundehütte, — aber nur nicht lauern! Sascha versteckt sich hinter der Tür. Das ist ganz einfach, aber man kommt nicht so leicht drauf.
Das alles sind friedliche Spiele, aber beim Kuchenbacken gibt es oft Mißverständnisse. Sascha läßt die Möglichkeit nicht gelten, daß irgend jemand außer ihr etwa einen Baumkuchen aus Sand formen könnte. Und wenn Manja Bruch ihr ein Pralinee aus Sand überreicht, dann hätte sie’s lieber nicht getan!
Wird das Spiel draußen langweilig, geht man ins Zimmer. Dort „liest“ Sascha, das heißt, Tante Lena liest ihr vor. Aber Sascha weiß schon eine Menge auswendig und sie hört so zu, als wäre sie selbst der Struwwelpeter und der Hans-Guckindieluft
und das schlaue Häschen. Und was sie für Gesichter dazu schneidet! Wo sie die nur alle her hat! Diesen Sommer hat Mama ihr eine Fibel geschenkt mit einem Mohr, einem Indianer und einem Ägypter. Und die Fibel ist jetzt Saschas Lieblingsbuch.