„Und dann noch eine?“ unterbricht Sascha die Mutter.
„Nein. Anfangs konnte ich nur kriechen. Ich hatte das Gehen ganz verlernt. Erst nach und nach lernte ich wieder fest auf meinen Füßen stehn.“
Sascha hört mit zusammengezogenen Brauen zu, und wenn die schöne Geschichte zu Ende ist, die Beine wieder heil sind und die Mama wieder laufen kann — dann strahlt Sascha über das ganze Gesicht und lacht.
„Noch einmal!“
Und Mama erzählt die schöne Geschichte zum zweitenmal.
„Aber als ich klein war,“ fängt Sascha dann an, „da lag ich mit dir im Kinderwagen, und dann zog ich dich an . . .“
Aber das ist schon so lange her, so lange, daß Sascha klein war! Und wenn Sascha ihrer Kindheit gedenkt, behauptet sie, daß sie wieder einmal klein sein werde.
„Wer wird dich liebkosen, wenn ich tot bin?“ sagte Sascha einmal, als sie wieder in Kindheitserinnerungen schwelgte und umarmte die Mama so innig, als wäre sie ihr Teddy-Bär.
Jeden Morgen nach dem Gebet begibt sich Sascha gewöhnlich
mit der Tante zu Mama, um sie aufzuwecken, und dann geht es hoch her: sie kriechen als Bären auf allen Vieren, stoßen sich als wilde Kühe mit den Hörnern, stellen Gewitter, Sturm, Regen, Hagel dar. Und Sascha sucht der Mama Angst zu machen: sie bläst die Backen auf und sagt mit hohler Stimme, sie wäre nicht Sascha, sondern der Froschkönig. Und dann kratzt Mama Sascha den Rücken und die Schulter: Sascha hat das über alle Maßen gern.