Die andern Hexen sind alte Weiber gewesen: Arischka und Agapka hatten je hundert Jahre und mehr auf dem Buckel; diese aber ist jung — kaum über dreißig. Die andern richteten zwar viel Schaden an, hielten aber doch Maß und machten die Sache zuweilen wieder gut. Dieser fiel das aber niemals ein. Die schrecklichsten Zauberkünste kannte sie. Sie verstand, den Menschen so an einen Fleck zu bannen, daß er niemals
mehr aus dem Hexenringe herauskonnte, und wenn er noch sosehr mit Armen und Beinen um sich schlug; er irrte im Kreise dicht vor seinem Hause herum und konnte nicht ins Haus herein; stand dicht vor seiner Schwelle und konnte kein Glied rühren. Die andern Hexen sehen eben wie Hexen aus, und auch das kleinste Kind kann sie auf den ersten Blick erkennen: sie sind alle dürr, haben Hakennasen und Schwänze; diese aber ist hübsch — die ganze Welt kann man absuchen und keine ähnliche finden —, dabei aber eine Mißgeburt, wie man eine solche seit Erschaffung der Welt nicht gesehen hat: der Körper und alles andere ist echt wie bei jedem gesunden Weibe, aber die Beine sind wie bei einem kleinen Kinde: sie kann gar nicht gehen, nur umherkriechen. Wenn sie doch nur immer umherkriechen wollte! Aber die Leute sagten, daß sie auch fliegen konnte: wie ein Vogel konnte sie in die Luft steigen! Man bekam sie auch fast nie zu Gesicht, höchstens des Nachts. Gott möge aber einen jeden davor bewahren: besser ist’s, dreimal in die Erde zu versinken oder der heiligen Ostermesse nicht beizuwohnen, als sie zu erblicken.
2
Sanofas Vater war Kaufmann und reiste mit seinen Waren von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Die Waren verlagen sich bei ihm niemals, die Käufer
drängten sich nur so: auf den alten Tschabak konnte man sich verlassen, niemals hängte er einem faule Ware an. Hätte sich der Alte nicht die Sünde auf die Seele geladen, so wäre er unter die Heiligen gesetzt worden, bei Gott!
Sanofas Mutter war wildes Zigeunerblut, hatte getanzt und gesungen: wenn sie nur einmal in die Hände klatschte, war man verloren, seine Seele wollte man hingeben, nur um sie einmal tanzen zu sehen. Eine zweite Marja gab’s nicht in der Welt.
Nicht immer war es dem Tschabak so gut gegangen. In der ersten Zeit schlug er sich mühsam durch, hatte einen Kramladen im Dorf und lebte davon. Das ganze Haus war voller Kinder, und es kostete schon etwas, alle zu ernähren und zu bekleiden. Wie die Bauern lebten sie.
Sanofa kam zur Welt — und gleich wurde alles anders.
Nun hatte Tschabak auf einmal Glück und wurde ein echter Kaufmann. Die Käufer strömten von allen Seiten zu seinem Laden herbei, und er konnte gar nicht genug Ware auf Lager haben. Reich wurde der Kaufmann. Die Einkünfte reichten nun für alles aus: er baute sich ein Haus, pflanzte einen Garten, verheiratete die Töchter und brachte den Sohn in der Stadt im Handelsfache unter. Kornej stiftete eine Kirchenglocke, und die Glocke klang so laut, daß das Abendläuten durch alle Schwarzen Wälder dröhnte und selbst bis zu der Iljinka in Moskau reichte.
Tschabak suchte den Reichtum gar nicht: das Geld kam ganz von selbst in seine Hände.