Kluge Menschen ahnten schon damals, daß es da nicht mit rechten Dingen zuging, sie behielten aber ihre Meinung für sich: das Wort ist kein Spatz, und wenn es einmal entsprungen ist, so kann man’s nicht wieder einfangen. Wie leicht kann man einen Unschuldigen in üblen Ruf bringen und muß es dann später im Jenseits büßen. Nur Mitroschka — so hieß ein Bursche im Dorf — fürchtete nichts: wenn er sich einen Rausch antrank, begann er zu plaudern: er deutete immer auf das Mädel und schrieb ihm alles zu.
Man beachtete seine Worte nicht: wenn ein Mensch angetrunken ist, kann man ihn für seine Worte nicht verantwortlich machen.
Das Mädel war aber wirklich Gott weiß was!
Sanofa wurde in der Johannisnacht, beim ersten Hahnenschrei, als letztes Kind ihrer Mutter geboren. Sie kam mit einer Glückshaube und einem Muttermal am linken Daumen zur Welt.
Die Haube hatte die Hebamme auf die Seite gebracht und an sich genommen. Tschabak und sein Weib grämten sich deswegen, konnten aber nichts mehr machen: so ein Ding kann man doch nie mehr zurückerlangen; wer es zuerst in die Hand bekommt, der zieht eben den Nutzen daraus.
Die Kunde verbreitete sich aber im Dorfe.
Wanderer und Wallfahrer strömten zu Tschabak herbei. Viele kamen ins Haus, um aus Sanofas linker Hand ihr Glück zu holen. Die Hand
teilte das Glück freigebig aus und wies niemanden ab. Wanderer und Wallfahrer kamen dann immer glücklich an ihr Ziel und kehrten ebenso glücklich heim. Niemand konnte sich über etwas beklagen.
Aus fernen Dörfern kamen die Leute zu Tschabak, ihr Glück zu holen, und kehrten zufrieden heim: niemandem stieß irgendein Unheil zu.
Das Kind wuchs als kluges Mädel heran und zwitscherte den ganzen lieben Tag wie ein Vöglein. Alles mußte man ihr zeigen und erklären, sie lief immer den Erwachsenen nach und hatte vor nichts Furcht.