Ziegen und Schafe, Kühe und Kälber, Schweine und Pferde, Gänse und Truthühner — alle wissen sofort, daß Atja wieder da ist. Tiere und Vögel sind ja verständig und empfinden mit ihren Haaren und Federn alles.
Von der Bahnstation Medwedki kann man, wenn man schnell fährt, in einem Tag nach Kljutschi kommen. Atja setzt sich in den Korbwagen, Fjodor-Kostyl tut einen Pfiff und die kräftigen braunen Pferde ziehen an und rasen ohne Weg und Steg von Berg zu Berg, von Wald zu Wald, von Dorf zu Dorf, daß man kaum Zeit hat, die Tore zu öffnen. Der Staub steigt wie Rauch empor; an den Straßen stehen aber statt der langweiligen Werstpfähle Wotjakenmädchen in seidengestickten weißen Kleidern und silberverziertem Kopfschmuck. Wotjakische Lieder, wild wie das Rauschen des Waldes, tief wie das Tosen des
Hochwassers, klangvoller als der Gesang des Schilfes und heller als die Töne der Schalmei schweben grüßend über den Köpfen dahin; und der Wind, der aus den Bergen kommt, singt dazu bald wehmütig und bald lustig. Klinge, Glöckchen! Das Glöckchen ist aber schon müde wie die Pferde und kann nur noch dumpf bimmeln. Schon ist man an der Mühle vorbeigefahren, der Mühlendamm erdröhnt unter den Rädern; da ist der Hegeforst, der heilige Hain des Wotjakengottes Keremet. Lebt dieser stolze Gott noch, der trotzige Bruder Inmars, des Schöpfers von Himmel, Erde und Sonne? »Er lebt!« flüstert der Hain . . . Und da ist schon Schaimy — der alte wotjakische Friedhof. Wenn man im Dorf das Glöckchen hört, rennen alle hinaus: Panja und Sascha kommen aus der Küche gestürzt, die Patin, die vor Freude plötzlich lahm geworden ist, hinkt Atja entgegen, und das Hündchen Griwna beginnt zu winseln. Großvater ist nicht dabei: er ist in der Kirche.
Atja begibt sich sofort zu den Hühnern. Bei den Hühnern wohnt aber ein Hase; es ist eigentlich nur ein Kaninchen, aber man nennt es einen Hasen. Seht doch nur: sonst fürchtet das Tier alle Menschen, vor Atja aber hat es gar keine Scheu.
»Guten Tag, Häschen! Gib schön die Pfote!«
Das Häschen hat ihn schon erkannt und miaut.
Da ist auch schon der Großvater: er konnte es
nicht länger aushalten, hat die Kirchenbücher liegenlassen und kommt gegangen.
Am frühen Morgen, sobald das Morgenrot sich über Berg und Wald ergießt und die Sonne aufsteht, steht auch Atja auf und läuft zum Fluß baden. Und dann beginnt sein Arbeitstag: er muß den Dünger hinausfahren. Erst wenn der Abend anbricht und die untergehende Sonne der lockigen Linde einen goldenen Kranz aufsetzt, geht Atja, über und über mit Ackererde beschmiert, nach Hause. Dann sieht er wirklich nett aus! Der Großvater sagt aber:
»Das ist mir ein tüchtiger Landwirt!«