schwatzte im Dienstbotenzimmer höchst verworrenes Zeug darüber: der General sei gekommen, um den revoltierenden Bauern Schrecken einzujagen oder auch um das ganze Land unter ihnen aufzuteilen. Das ist übrigens gar nicht so wichtig; konnte er denn nicht auch aus purer Neugier hergekommen sein?

Der Gast wurde von Alexandra Pawlowna freundlich aufgenommen; sie bedauerte sehr, daß nicht die ganze Familie in ›Gottessegen‹ versammelt war — die Kinder waren nämlich verreist — und daß der Gast sich daher etwas langweilen werde. Der General war aber in bester Stimmung; er erzählte viel von seinen freundschaftlichen Beziehungen zu Pjotr Nikolajewitsch und schien kein Verlangen nach anderer Gesellschaft zu haben. Mit Ungeduld erwartete er seinen Freund, der gerade an diesem Tage vom frühen Morgen an irgendwo auf dem Dorfe bei einer Leiche steckte und erst gegen Abend nach Hause kam. Als die Freunde sich gegenüberstanden, geschah etwas sehr Seltsames: der Gast war sichtlich erschüttert, erschrocken und begann am ganzen Leibe zu zittern. Hatte er seinen Freund nicht gleich erkannt, oder hatte er ihn erkannt, aber eine solche Veränderung an ihm wahrgenommen, daß es ihn schwindelte, oder war ihm in seinem Gesicht, in seinem Gang oder in seiner Sprache etwas ganz Unerwartetes, Unwahrscheinliches und Unmögliches aufgefallen — das weiß niemand! Der General taumelte einen

Schritt zurück, warf die Arme empor und fiel in Ohnmacht.

In den folgenden Tagen war der Gast schweigsam und traurig; er schielte argwöhnisch nach allen Seiten, sagte zu allem ja und lächelte so unglücklich wie einer, der sehr unerwartet in eine ganz gewöhnliche Presse hineingeraten ist, wo er jeden Augenblick zu einem Brei zerquetscht werden kann. Er blieb noch an die acht Tage in ›Gottessegen‹ und jagte eines Morgens ganz plötzlich, ohne Gepäck und nicht ganz angekleidet, auf und davon; vor der Abreise war er wie verrückt, murmelte etwas ganz Unsinniges vor sich hin und zeigte allen Leuten irgendwelche Schriftstücke, die er verkehrt in der Hand hielt. Und bald nach seiner Abreise tauchten alle die Gerüchte bei den Nachbarn und in der Stadt auf.

Man erklärte plötzlich, das berühmte Suchotinsche Gut sei gar nicht so hervorragend, das Haus sogar etwas schadhaft: der nach dem Brande neu errichtete Teil falle von den übrigen ab; auch der Garten sei in keiner Weise bemerkenswert: er sei zwar alt und schattig, doch könne man bei einer Reise durch Rußland viele solcher Gärten sehen; an den Feldern und Wäldern sei zwar nichts auszusetzen, aber sie seien durchaus nicht einzig in ihrer Art; und was die Bauern betreffe, so seien sie gar nichts wert: verarmt und ohne Landbesitz; einmal seien sie schon ausgewandert, dann wieder zurückgekehrt, und wenn sie auch bei den letzten Unruhen das Herrenhaus

nicht niedergebrannt und den Pferden nicht die Augen ausgestochen hätten, wie es beim Nachbar Bessonow geschehen war, so hätten sie doch unzweifelhaft die Absicht gehabt, das Haus anzuzünden, alles zu verwüsten und sich das Land anzueignen. Und von Pjotr Nikolajewitsch selbst erzählten sich die Leute, nach Aufzählung aller seiner Eigenheiten, solch ungereimtes Zeug, daß ich mich schäme, es wiederzugeben. Schließlich waren alle darin einig, daß man das Haus und die Leute unter allen Umständen meiden müsse: der Ort sei unrein.

Einer von den guten Freunden riet Alexandra Pawlowna sogar, sich beim Gouverneur zu beschweren. Sie wollte davon aber nichts wissen: an dem ganzen Gerede sei kein wahres Wort, und sie wolle nicht noch mehr Staub aufwirbeln. Und in der Tat: was so ein argwöhnischer Mensch in seinem argwöhnischen Gehirn nicht alles ausdenken kann!

Übrigens hörte das Gerede nach einiger Zeit ganz von selbst auf: die Leute sind doch nicht so dumm, wie sie zuweilen scheinen.

Und so blieb alles beim alten: ›Gottessegen‹ ist ein Paradies, die Familie Suchotin das Muster einer guten Familie, und Pjotr Nikolajewitsch zwar ein Sonderling, doch von seltener Unterhaltungsgabe.

Alexandra Pawlowna war das eigentliche Haupt des Hauses, und ihrer Begabung wurde auch der Wohlstand und die musterhafte Ordnung