So kam es, daß er niemals erfuhr, warum der Vater die Mutter verlassen hatte; in den späteren Jahren tat es ihm sogar leid, daß er es nicht wußte. Der Vater hatte in seinem Arbeitszimmer bis zu seinem Tode das Bildnis der Mutter hängen. Hatte er sie geliebt? Und wenn ja, warum hatte er sie verlassen? Warum hatte der Vater die Mutter verlassen? Warum mußte sie soviel Leid, so viele bittere Tage und Nächte über sich ergehen lassen?

›Es zieht mich hin zu diesem stillen Strand . . .‹

»Teufel!« sagte sich Sergej Sergejewitsch, wenn er an die alten Zeiten von Krutowrag dachte.

Nachdem er das Kadettenkorps absolviert hatte, ging er nach Petersburg und wurde Offizier.

Da hatte er ein gutes Leben. Niemals hatte er Mangel an Geld: sein Vater geizte nicht und schickte ihm regelmäßig größere Summen. Der Vater war immer besorgt, daß es ihm gut ginge. Er konnte sich über nichts beklagen. Bei seinen guten Verbindungen und großen Mitteln durfte er auf eine glänzende Zukunft hoffen.

Er lebte ebenso wie die andern Offiziere:

spielte Karten, nahm an Trinkgelagen teil, besuchte Bälle, erzählte Witze, imitierte seine Kameraden und Vorgesetzten, machte Damen den Hof, war an allen Regimentsintrigen beteiligt, regte sich auf, zankte sich — und die Tage gingen gleichmäßig dahin, und ein Tag war wie der andere. Und wenn auch zuweilen etwas Ausschließliches und Besonderes vorkam, so blieb es doch immer in den Grenzen des in seinen Kreisen Erlaubten und Üblichen: so verlor er zum Beispiel einmal eine Riesensumme im Kartenspiel; wem ist das aber noch nicht passiert? Auch die anderen Ausnahmen waren von der gleichen Art.

Gleichmäßig, mit ganz unbedeutenden Sprüngen, floß sein Petersburger Leben dahin.

Dieses erfolgreiche, leichte und vielversprechende Leben hätte eigentlich in seinem Gedächtnis keine Spuren zurücklassen müssen.

Und doch hatte er eine Erinnerung.