EInes Tages ging der Hodscha mit einem seiner Freunde auf die Jagd. Sie sahen einen Wolf, und den wollten sie fangen; sie verfolgten ihn, bis er sich unter einen Felsen verkroch. Der Gesell Dschohas steckte seinen Kopf hinein, um ihn zu packen, aber der Wolf riß ihm ihn ab. Dschoha wartete länger als eine Stunde; als er schließlich sah, daß sich sein Gesell nicht wieder erhob, zog er ihn heraus, und da sah er, daß er keinen Kopf hatte. Er fragte sich, ob er einen gehabt habe oder nicht; dann ging er in die Stadt und fragte die Frau seines Freundes: »Hat dein Mann, als er heute weggegangen ist, seinen Kopf bei sich gehabt oder nicht?«
375.
EInes Tages trug Dschoha einen Sack Korn in die Mühle. Auf dem Wege dachte er, wie schön es wäre, wenn Gott das Korn in seinem Sacke in Gold verwandeln möchte, und schließlich glaubte er, daß sein Wunsch erhört sei. Er streckte die Hand aus, um zu sehn, ob es Gold geworden sei oder nicht, aber der Sack legte sich um. Da wandte er den Blick gen Himmel und sagte: »Herr, du hast mich betrogen.«
376.
EIner lud Dschoha ein in der Absicht, ihn zu hänseln; er brachte Rosinen in einer zugedeckten Schüssel, worein er auch Mistkäfer getan hatte. Als der Deckel abgenommen wurde, liefen die Käfer davon; aber Dschoha machte sich daran, sie aufzulesen und zu essen. Der Hausherr fragte ihn: »Was tust du denn?« Und Dschoha antwortete: »Ich fange vorerst die Ausreißer; die Rosinen rühren sich ja nicht von der Stelle.«
2. Aus der von Mardrus besorgten Ausgabe von Tausend und einer Nacht
377.
IN den Jahrbüchern der alten Weisen, o König der Zeit, und in den Schriften der Gelehrten wird erzählt und durch die Überlieferung ist auf uns gekommen, daß in der Stadt Kairo, diesem Sitze des Frohsinns und des Geistes, ein Mann gewesen ist, der wie ein Dummkopf aussah, aber unter dem Äußern eines ungewöhnlichen Narren einen unvergleichlichen Kern von Verschlagenheit, Scharfsinn, Witz und Weisheit verbarg, ganz zu geschweigen, daß er sicherlich der vergnüglichste, unterrichtetste und geistreichste Mensch seiner Zeit war; mit seinem Namen hieß er Dschoha, und von Beruf war er nichts, gar nichts, wenn er auch gelegentlich in den Moscheen das Predigeramt ausübte.
Eines Tages sagten nun seine Freunde zu ihm: »Schämst du dich denn nicht, Dschoha, daß du dein Leben im Müßiggange verbringst und deine Hände samt den zehn Fingern zu nichts anderm brauchst, als um sie voll zum Munde zu führen? Und denkst du nicht, daß es die höchste Zeit wäre, dein Luderleben aufzugeben und dich den Sitten aller Welt zu fügen?«
Dschoha antwortete darauf nichts. Aber eines Tages fing er einen großen, schönen Storch mit herrlichen Flügeln, die ihn hoch in den Himmel trugen, mit einem wunderbaren Schnabel, dem Schrecken der Vögel, und mit zwei Lilienstengeln als Beinen. Und nachdem er ihn gefangen hatte, stieg er mit denen, die ihm Vorwürfe gemacht hatten, auf das Dach seines Hauses, und dort schnitt er dem Storche mit einem Messer die herrlichen Federn der Flügel und den wunderbaren langen Schnabel und die hübschen, so zierlichen Beine ab, stieß ihn mit dem Fuße hinaus und sagte: »Fliege! fliege!«