DIe Mutter Giufàs hatte ein kleines Mädchen, und das hütete sie wie ihren Augapfel. Als sie nun eines Tages zur Messe gehn mußte, sagte sie zu ihrem Sohne: »Giufà, schau, ich gehe zur Messe: die Kleine schläft; koch ihr den Griesbrei und gib ihn ihr zu essen.« Giufà kochte einen großen Topf Griesbrei, und als der gekocht war, nahm er einen großen Löffel voll und stopfte ihn der Kleinen in den Mund. Das Kind fing mächtig zu schreien an, weil es sich arg verbrannt hatte, und nach zwei Tagen starb es, da der Mund brandig wurde. Die Mutter wußte sich keinen Rat mehr mit diesem Sohne; sie nahm einen Stock und verprügelte ihn tüchtig.
432.
DA Giufà ein halber Tölpel war, tat ihm niemand etwas zuliebe, wie ihn einzuladen oder ihm einen Bissen zukommen zu lassen. Einmal kam er in ein Pächterhaus, wo er etwas zu erhalten hoffte. Aber als ihn die Pächtersleute so zerlumpt sahen, so fehlte wenig und sie hätten die Hunde auf ihn gehetzt; und sie behandelten ihn so, daß er mehr krumm als gerade von dannen ging. Seine Mutter begriff die Sache und besorgte ihm schöne Hosen, ein Paar Strümpfe und eine Samtweste. Nun ging Giufà als Bauer gekleidet in dasselbe Pächterhaus; da hättet ihr Ehrenbezeigungen sehn können! Sie luden ihn zu Tische und überhäuften ihn alle mit Aufmerksamkeiten. Obwohl aber Giufà sonst nicht bis fünf zählen konnte, war er doch schlau genug, sich mit einer Hand den Wanst zu füllen und mit der andern das, was übrig blieb, in die Taschen zu stecken; und sooft er etwas einsteckte, sagte er: »Eßt nur, meine lieben Kleider; ihr seid es ja, die eingeladen worden sind.«
433.
ES war einmal ein gewisser Giufà; zu dem sagte seine Mutter, als sie zur Messe ging: »Giufà, schau, ich gehe jetzt zur Messe: schau, da ist die Henne, die muß die Eier ausbrüten; nimm sie, füttere sie mit dem Mansch und setze sie dann wieder auf die Eier, damit sie nicht kalt werden.« Giufà bereitete also den Mansch aus Brot und Wein, nahm die Henne und fütterte sie, und fütterte sie auf die Weise, daß er ihr den Mansch mit dem Finger hineinstopfte; und dabei erstickte er sie und sie verendete. Als er sah, daß es mit ihr aus war, sagte er: »Wie soll ich es denn nun anstellen, daß die Eier nicht kalt werden? jetzt setze ich mich selber drauf.« Er zog sich Hosen und Hemd aus und setzte sich auf die Eier. Als dann seine Mutter heimkam, rief sie: »Giufà! Giufà!« Giufà antwortete: »Gluck, gluck, ich kann nicht kommen; ich bin jetzt die Henne und sitze auf den Eiern.« Seine Mutter schrie: »Du Nichtsnutz, du Nichtsnutz! du hast mir ja alle Eier zerdrückt.« Giufà stand auf, und die Eier waren ein Brei.
434.
ES war einmal ein großer Herr, und der hatte einen seltsamen Einfall. Er sagte zur Winterszeit zu einem armen Teufel: »Wenn du dich getraust, es eine Nacht lang, so wie du aus dem Leibe deiner Mutter gekommen bist, am Ufer des Meeres auszuhalten, so gebe ich dir, wenn du am Morgen noch lebst, hundert Unzen; bist du am Morgen tot, so hast du die Wette verloren.« Dieserhalb wurden Wachen aufgestellt: »Gebt acht auf den da!«
In der Nacht fuhr nun ein Schiff vorüber. Der arme Wicht, der am Strande war, streckte die Hände aus, als ob er sich hätte an dem Lichte des Schiffes wärmen wollen. Der Morgen brach an, und die Wächter meldeten dem Herrn: »Herr, er hat die ganze Nacht nackt verbracht; um Mitternacht aber kam in einer Entfernung von hundert Meilen im Meere ein Schiff mit dem Lichte vorbei, und daran hat er sich gewärmt.« Da sagte der Herr zu dem, mit dem er gewettet hatte: »Ihr habt verloren; Ihr habt Euch gewärmt, und damit habt Ihr die Wette verloren.«
Der, der die Wette verloren hatte, ging zu Giucà. Giucà sagte: »Warum weinst du denn?« Er antwortete: »Heute Nacht bin ich demunddem auf seinen seltsamen Einfall eingegangen; und weil ich, als ein Schiff vorübergefahren ist, mit den Händen so gemacht habe, sagte er, ich hätte mich gewärmt. Wie wäre das möglich? ... Und jetzt habe ich die Wette verloren.« Giucà antwortete: »Hab keine Angst; bin ja ich da! Aber sag mir, teilen wir das Geld, wenn ich dir den Sieg verschaffe?« »Ja.« Nun versah sich Giucà mit einem Sack Kohlen und einem Hammel und zündete die Kohlen an dem einen Ende von Trapani bei den Kapuzinern an; dann nahm er einen Rost und stellte ihn in der Richtung über das Kloster bei der Loggia auf. Er nahm den Hammel und legte ihn auf den Rost, und das Feuer hatte er bei den Kapuzinern; und also begann er den Hammel ohne Feuer zu braten. Alle Leute, die dieses törichte Treiben sahen, den Hammel bei der Loggia und das Feuer bei den Kapuzinern, fragten ihn, was er tue; und Giucà sagte zu ihnen: »Ich brate diesen Hammel.«
Da kam auf einmal auch der von der Wette vorbei, und der sagte: »Was tust du, Giucà?« »Ich brate diesen Hammel.« »Ja wo ist denn das Feuer?« »Bei den Kapuzinern.« »Was soll das heißen? wie dumm!« »Verrückt freilich und dumm,« sagte Giucà; »wie hat sich aber dann der da an dem Lichte des Schiffes wärmen können, das doch hundert Meilen entfernt war? Wie man den Hammel hier nicht braten kann, so hat sich auch der da dort nicht wärmen können.«